Die Chroniken des Derikon Distelzweig



1.Teil

Laufen... weiterlaufen, immer weiter. Es war beinahe dunkel, doch das wenige Licht der Sterne und des halben Mondes reichte Derikon selbst durch das Blätterdach. Er hörte das Tapsen der Wolfspfoten hinter ihm. Seine Beine schmerzten. Er wusste, so könnte er nicht mehr lange weiterlaufen. Seine Beine würden einfach aufhören ihren Dienst zu tun. Auch war es müßig vor Wölfen wegzurennen....

Er stolperte,

strauchelte,

fiel.

In diesem Moment hörte er dann tatsächlich ein amüsiertes Kichern. Er runzelte nur die Stirn, wusste er doch nur zu genau, wo es herkam. Er hörte ein paar Worte in einer Sprache, die er nicht verstand, jedoch von einer wohlbekannten Stimme gesprochen waren. Die Wölfe zogen ab.

Dann hörte er, wie die Stimme zu ihm sprach:" Derikon, Derikon... wüsst' ich's nicht besser, ich würde sagen mein Unterricht langweilt dich." Merlin, sein Ziehvater und Mentor als Druide kicherte wieder.
Merlin war ein Gnom, gekleidet in feste Kleidung aus grob gegerbtem Leder.
"Nein, Merlin", antwortete Derikon gedehnt und abgehetzt, " Sie mögen mich nur einfach nicht."
"Na na na, mein Junge", ein Kichern " nu' steh erstmal auf, oder möchtest du gleich hier einschlafen?"

"Nicht, dass ich dem abgeneigt wäre, aber mir scheint, ihr wollt mir etwas sagen."
Wieder kichert Merlin als er das hört. "Ja wirklich, das will ich, aber nun komm mein Junge wir gehen erstmal nach Hause und du ruhst dich ein wenig aus. Ich wusste gar nicht, dass du so schnell rennen kannst."

"Wahrhaftig" dachte Derikon "ihr hättet einen guten Gaukler abgegeben." dann grinste er geschlagen und erhob sich langsam.

Sie gingen durch den Wald zu dem, was Merlin, und auch Derikon, Zuhause nannten. Ein Städter hätte es nicht einmal Unterstand genannt....
Es bestand aus zusammengeflickten, mit Feuer behelfsmäßig wasserdicht gemachten Fellen, die über mehrere Bäume gespannt waren. Genug Platz für fünf bis sechs Leute um bequem zu sitzen, mit einer ebenfalls bestehenden Rückwand. Aber für Elfen (oder Gnome, oder andere Rassen) die im Wald lebten, war es ein trautes Heim.

Dort hingesetzt schüttete Merlin den beiden guten Elfenwein ein. Derikon hätte immer schon gerne gewusst, woher er den hatte, aber er rückte niemals damit raus.

Merlin nahm einen kleinen Schluck sah Derikon an und seufzte. "Kannst du dich noch daran erinnern wie du zu mir kamst...?"



|Es war dunkel, Norsal schlief tief in jener Nacht, wohlbehütet und unbedarft in seinem Bett in dem kleinen Dorf
Tel'quessir-Enor, mitten im Cormanthor. Er träumte einen schlimmen Traum. Es war dunkel. Er hörte schreie, Es war heiß....

Plötzlich erschallte ein Lauter Ruf durch das Dorf: "RIMA! RIMAAAA! ASCA!" Lauft! Lauft! Eilt euch!...
Norsal schlug die Augen auf. Es brannte tatsächlich! Er sprang auf und warf sich ein Hemd über und rannte hinaus, sah sich um:
Das Dorf stand in Flammen, überall lagen Leichen. Es waren Kämpfe zugange. "Drow", dachte Norsal und spuckte aus.

Drow waren die Dunklen Brüder der Mond-, Sonnen-, Wald- und Wildelfen. In der Handelssprache heißen sie einfach "Dunkelelfen". Sie wurden einst von Corellon samt ihrer Dunklen Göttin Lloth, der Herrin des Chaos und der Spinnen in das Unterreich vertrieben. Seitdem leben sie in kranken, dekadenten und intriganten Gesellschaften zusammen, welche von den Mutter-Oberinnen beherrscht werden.
Sie sind den Elfen in Grösse und Gestalt sehr ähnlich. Bei den Dunkelelfen werden die Frauen höher angesehen als die Männer und werden auch kräftiger. Dunkelelfen haben eibenholzfarbene Haut und meist lange, schneeweiße Haare, welche im Unterreich als eine Art "Statussymbol" gelten... nur Ausgestoßene haben kurze oder gar keine Haare. Alle anderen sind Ausnahmen mit großer Macht.


Alsbald sah er seine Mutter. Sie stand einem Drow gegenüber und sprach gerade eine Zauberformel. Doch der Drow ihr gegenüber war schneller.
Das Rufen der Zauberformel wurde zu einem erstickten Gurgeln, als der kurzhaarige, in schwarzes Leder gehüllte Drow ihr einen Krummsäbel zwischen die Rippen stieß und ihn mit einem Schmatzen herumdrehte. Er wollte hinrennen, doch in diesem Moment bohrte sich ein stechender Schmerz in einen Rücken... und es wurde schwarz um ihn herum.

Er erwachte in einem Bett liegend, voller Schmerz und Übelkeit.
Eine freundliche Stimme sprach: "Ah, ihr erwacht... endlich. Ich dachte schon, es sei zu spät gewesen!"
Krächzend antwortete Norsal: "Wo... wo bin ich?", und versuchte sich zu erheben, doch flink hielt die Stimme ihn unten. Nun konnte er ihn sehen: ein Gnom, gehüllt in aus gegerbtem Leder gemachte Kleidung, mit freundlichem Gesicht.
"Du bist in Sicherheit." antwortete der Gnom.
Jetzt erkannte Norsal ihn auch: "Sha'Quessir!"
Der Sha'Quessir lächelte traurig "Ja... so nannte man mich in eurem Dorf, doch möchte ich, dass du mich Merlin nennst. Du wirst nun eine Weile bei mir bleiben..."
Norsal runzelte die Stirn und fragte sich wieso denn..., und merkte gar nicht, dass er die Frage laut ausgesprochen hatte.

"Weil du eine Waise bist, mein Freund... und auch sonst niemand aus deinem Dorf mehr lebt... ich kam zu spät."
Norsal verstand erst überhaupt nicht, was der Elfenfreund... Merlin, ihm sagen wollte. Er wollte es nicht verstehen. So war das Erste, was ihm aus dem Mund kam: "wa...."
Als nächstes kam die Erinnerung mit einem Schlag zurück! Das Blut! Die Schreie, seine Mutter!! Er wollte mit einem Ruck aufspringen, sank jedoch auf der Hälfte des Weges wieder zurück, als ein rasender Schmerz durch seinen Rücken und seinen Kopf ging. Er stöhnte auf.
Zum ersten Mal sah er sich dort, wo er lag um.

Er lag in einer Art Unterstand... er war aus imprägnierten Lederfetzen, welche zusammengeflickt waren. Er lag an der Rückwand, welche die einzige Wand war, die es dort gab. Weiche Felle lagen zwischen ihm und dem Boden der auch aus Leder war. Die Felle waren wohl extra für ihn bereitgelegt worden, da sich eine ähnliche Stelle, weniger weich aber trotzdem gemütlich aussehend, neben der seinen befand. Dort lagen auch ein paar Felle und Häute die noch gegerbt werden mussten... Es gab einen Abzug nach oben, wie bei einem Tipi, worunter ein Feuer brannte.
Er bemerkte garnicht, dass Merlin nicht mehr da war... ihn allein gelassen hatte mit seinen Gefühlen.

Sie sollten alle nicht mehr da sein? Er konnte es noch gar nicht begreifen...
Gestern war doch noch alles in Ordnung gewesen.... Sein Vater... seine Mutter. Lucien!!! Diesmal ruckte er wirklich hoch.
Schmerz drang durch alle seine Poren, doch er blieb oben.... Lucien... liebe Lucien!
"Auch sie...?" flüsterte er. Sein Blick verlor sich im Nichts und einem Schleier aus Tränen.

Neben sich sah er eine Schale mit etwas, dass er für Wasser hielt. Er trank sie mit großen Schlucken aus und stellte fest, dass das, was er da Trank absolut kein Wasser war! Der Schmerz verschwand und auch der Verlust rückte ein wenig fort.

Daraufhin erhob er sich. Vor seinem Lager fand er feste Kleidung, welche er anzog, und ging hinaus in den Wald...
|


...es war eine schlimme Zeit."
"Natürlich erinnere ich mich." antwortete Derikon.
"Seitdem ging einiges an Zeit ins Land... ich bin nun 123 Jahre alt... damals war ich 25!" Er seufzte: "Und die Erinnerung schmerzt immer noch...."
Merlin nickte. "So sind Elfen nun mal... jeder Mensch hätte das bereits vergessen"
Dazu nickte Derikon " Ja... Menschen... ich verstand nie, wie man derartiges vergessen kann.
Ich bin immer noch nicht aus dem Wald zurückgekehrt, in den ich damals ging..."

Es gab nur recht wenige Momente, wo Merlin ernst wurde... dieser war einer davon.

| Es war an einem schönen, sonnigen Tag. Das Dorf war schon seit einigen Wochen in hoher Aufruhr... es geschah hier nicht häufig, dass ein Kind geboren wurde... geschweige denn zwei... Dazu noch ein menschliches. In einem Elfendorf wahrlich eine Seltenheit!

Das Elfen-Neugeborene würde Norsal K'ryandal sein. Der Sohn von Nerestor Revidian, Familienname K'ryandal und von Rieéndár Norodian, welche den Familiennamen Nerestors annahm, als sie den ewigen Bund der Liebe eingingen.
Der Mensch würde die Tochter von Karim und Sotthilde Wilnerland sein... Lucien.

Am heutigen Tag waren die Wehen von Sotthilde besonders schlimm und Hebammen waren bei ihr, wie auch ein Heiler und der Vater, Karim.

In der Mittagsstunde war es dann soweit, Lucien erblickte das Licht Faerûns.
Am nächsten Tag kam Norsal zur Welt. Es gab ein großes Fest. Die Mütter hatten die Geburt überlebt, die Kinder waren gesund und kräftig.
Es gab ruhige Musik und Wein, alle in dem Dorf waren glücklich.
Tel'quessir-Enor war ein Dorf von ungefähr 450 Seelen. Außer den jetzt drei Menschen, Karim, Sotthilde und Lucien Wilnerland, alles Elfen.

Die Jahre vergingen und Norsal wuchs zu einem jungen Mann, wohlbehütet in der Gemeinschaft der Elfen, heran.
Und Lucien zu einer jungen Frau.
Die beiden verbrachten von Geburt an viel Zeit miteinander, da die Eltern gut miteinander auskamen.
Die ersten 5 Jahre verbrachten sie zusammen auf dem Boden und vor der Türe der Elternhäuser.
Die nächsten 5 Jahre gingen sie zusammen mit den Eltern durch die Wälder des Cormanthors.
Es war eine friedliche und schöne Zeit, die sie im Einklang mit der Natur verbrachten und es viel Norsal nicht negativ auf, dass sie ein Mensch war. Merlin kam oft in dieser Zeit. Mit ihnen hatte er kaum zu tun, er redete meistens über beunruhigende Themen, mit denen die Kinder nichts am Hut hatten.

Die Jahre vom Alter 10-15 Jahre gingen Lucien und Norsal mehr und mehr alleine weg. Es gab wenig andere Kinder in ihrem Alter im Dorf.
Lucien wuchs in dieser Zeit zu einem klugen, verbal und körperlich wehrhaften Mädchen heran.
Norsal verglich sie gerne mit einer Distel... schön, bewundernswert und doch wehrhaft und gefährlich, wenn man nicht aufpasste. Er benutzte diesen Vergleich gerne um sie ein wenig zu necken.

Mit 16 verliebte er sich in sie.

In dieser Zeit war Norsal ein wenig verschlossener als sonst, und die Monate in dieser Zeit verbrachte Lucien die meiste Zeit damit, ihn auszuquetschen. Sie kamen sich beim herumtollen nun auch körperlich näher und eines sonnengewärmten Tages, als sie gerade nach einem anstrengenden Spiel eng aneinander geschmiegt im weichen Gras lagen, beichtete Norsal ihr seine Gefühle... sie waren nun siebzehn.

Darauf sahen sie sich zwei Wochen und einen Tag lang nicht, nachdem sie verwirrt auseinander gingen.
Als sie sich wieder sahen, unterhielten sie sich lange Zeit und gingen als Paar aus diesem Gespräch hervor. Die Eltern waren ein wenig skeptisch, doch war es nie die Art der Elfen gewesen, etwas zu verbieten.... Sie gaben ihren Kindern mit, was sie zu geben hatten und überließen Entscheidungen ihnen selbst.
Luciens Eltern waren von Elfen sehr geprägt, und doch hatten sie leichte Probleme damit. Doch gewöhnten sie sich schnell daran und bald freute sich das ganze Dorf für die beiden.

Die darauf folgenden Jahre war Norsal glücklich. Er begann, mehr über seine Umwelt zu lernen und war für einen Elfen (vermutlich durch Luciens Nähe) recht frühreif.
Er war beinahe immer mit Lucien zusammen unterwegs. Im Alter von achtzehn Jahren begannen sie, auch öfter weitere und längere Ausflüge zu machen.
In dieser Zeit verbrachten sie viele Nächte miteinander und waren einfach froh, sich zu haben.

Mit 20 Jahren zogen die beiden in eine von der Familie neu gebaute Hütte.
Beide waren sie überglücklich, wussten sie doch nichts von der Bedrohung, die über dem Dorf lag... |


"Siehst du", sagte der Gnom, "das ist es, worüber ich mit dir reden wollte...
der Wald, dein Umfeld..., was glaubst du, wieso die Wölfe dich angegriffen haben?"
"Ich kam ihnen zu nah... war zu aufdringlich." antwortete Derikon.
"Nein", meinte Merlin, nun wieder grinsend, "ich habe sie dazu überredet."
Derikon riss die Augen auf. "Das war es also! Ihr seid ein...ein...gerissener... Gauner!
Ihr..." Widerwillen musste Derikon grinsen "...ihr verfolgtet sicherlich einen bestimmten Zweck damit...." Merlin kicherte darauf nur, sprach ein paar Worte und gestikulierte seltsam dazu, woraufhin er sich in eine diesige Wolke auflöst, welche dann eilig hinweg zog.

Derikon seufzte, was hatte er erwartet? Wann hatte er das letzte Mal eine vernünftige Auskunft von ihm bekommen? Und wieder musste Derikon grinsen.
Natürlich hatte es einen Grund gehabt... das war es gewesen, was Merlin zum Kichern brachte... er überbrachte seine Lektionen über Streiche und Scherze!

Er legte sich an die Lagerstatt, auf der er vor beinahe 100 Jahren erwacht war... und dachte im langsam abbrennenden Lagerfeuer an Lucien...

"Norsal!" scholl es durch den Wald.
Es war Luciens Stimme... nur zögerlich öffnete er die Augen. Er hatte gerade auf einer Lichtung im Sonnenschein gedöst.
"Norsal!" ertönte ihre Stimme wieder diesmal aus geringerer Ferne. Er öffnete nun endgültig die Augen und antwortete:
"Avavean!"

Sie erschien in seinem Blickfeld, die Arme in die Hüften gestemmt.
"Linn, Lani vee`nolnamodor en`i`Coronal!" sagte er lächelnd. Ein Kompliment über außerordentliche Schönheit.
"Manth shae ent stacia, sha!", war alles was sie Antwortete. Es bedeutete soviel wie Herrgott, Liebster... rügend.
Er grinste nur neckisch und verschränkte die Arme im Nacken.
Sie sahen sich einen Moment einfach nur an, dann brach die Fassade von Lucien, und sie stürzte sich lachend auf ihn. "Was hast du hier gemacht, mh? Dass du so lang nicht geantwortet hast?"
Norsal rollte zur Seite und Lucien sprang einfach nur ins weiche Gras. "Was soll ich schon gemacht haben?", fragte er neckisch. "Ich bin ja allein’ gewesen bis eben.", eindeutig eine Anspielung auf ihre Abwesenheit.
Sie Sprang ohne Umschweife wieder in seine Richtung. "Ich war nicht allein.", lachte sie dabei.
"So?" Norsal fing sie auf und rollte sich auf sie.
Das Spiel endete auf der physischen Ebene, als die beiden sich in die Augen sahen. Beide neckisch, fröhlich, und sehr verliebt.
"Wer war denn bei dir?" ,fragte Norsal leise, ohne den geringsten Anflug von Eifersucht. Er wusste, Lucien würde ihn nicht betrügen.
"Dein Vater.", sagte sie, jetzt wieder ernst.
"Mein Vater?", echote Norsal ehrlich überrascht. "Was wollte er denn?"
"Wir haben von dir geredet.", antwortete sie zwinkernd. Dann wieder ernst: "Er hat mit dem Sha'Quessir geredet. Der wollte mehr von dir wissen, sagte dein Vater. Ab und zu kicherte er seltsam, als er auf die Fragen antwortete... es war seltsam, sagte dein Vater. Es schien, als wolle er auf etwas hinaus, jedoch sagte Merlin nichts..."
"Mhh..." machte Norsal. "Vater sagt, dass Merlin manchmal eben etwas merkwürdig ist.", tat er es ab, und gab Lucien einen kurzen Kuss.
"Ich liebe dich!", hauchte er...|


Schmerz zuckte durch seinen Kopf... er konnte nicht weiterdenken. Er konnte nicht... Derikon seufzte. Was hatte Merlin ihm sagen wollen, fragte er sich. Er wollte jetzt nicht mehr an seine Vergangenheit denken. Er ging nachdenklich an die Stelle, wo er zuletzt auf die Wölfe getroffen war. Er fand Spuren von ihnen, konnte diesen aber nicht weit folgen. Also ging er in die Richtung, aus der er vor ihnen weglief. Und tatsächlich, nach einigen Minuten schon konnte er sie hören. Er ging in die Hocke und versuchte sie genauer auszumachen. "Ja," dachte er "nicht mehr weit... doch sie bewegen sich nicht, wie seltsam, worauf warten sie?" Er wartete noch einige Momente, ob sie weiterziehen würden. Doch das taten sie nicht.
Derikon seufzte leise und dachte an das, was Merlin gesagt hatte: "...ich habe sie dazu überredet....", hallte es in seinem Kopf nach.

Er erhob sich sehr langsam und ging mit ausgebreiteten Armen auf das Rudel zu. Als sie ihn bemerkten, knurrten sie laut. Derikon blieb stehen und knickte die Beine leicht durch, um ihrer Augenhöhe näher zu rücken und seinen Beweggrund näher zu legen... Es ließ sich mit ihnen nicht reden wie mit wirklich intelligenten Wesen, jedoch waren Wölfe weniger... verlogen. Er ging nun ganz in die Hocke und versuchte mit ruhiger Stimme auf sie einzureden. Er wies die leeren Handflächen nach vorne, sodass die Wölfe sehen konnten, dass er nicht vorhatte, irgendetwas Bedrohliches zu tun.
Und Tatsächlich! Sie hörten auf zu knurren und zogen einfach ab.
Lächelnd erhob Derikon sich. Es war das erste Mal gewesen, dass er seine empathischen Fähigkeiten erfolgreich angewendet hatte. Und er war sicher, dass Merlin bei vielen der vorigen Versuche seine Finger im Spiel gehabt hatte.
Den Grund dessen herauszufinden war wohl seine nächste Aufgabe.... Er setzte sich an einen Baum, lehnte seinen großen, runden Schild an seine Knie und meditierte. Die Art der Elfen, zu schlafen. Sie brauchen nur vier Stunden dieser Art der Meditation, welche ihnen dieselbe Ausgeruhtheit verschafft, wie sie Menschen nach acht Stunden Schlaf erlangen.


Als er erwachte, saß Merlin vor ihm, und grinste breit. "Guten Morgen!", sagte dieser wohlvergnügt.
Derikon hob die Brauen.
"Habt ihr wohl geruht... ja das habt ihr wohl. Obwohl... na ja lassen wir das. Ich wollte euch sagen... ähm...", er brach ab.
"Ja?" fragte Derikon. Er wusste, in dieser Stimmung war Merlin absolut unberechenbar... . Wohl absichtlich.
"Also es ist so, dass ihr wohl bestanden habt... vorerst."
"Danke." sagte Derikon trocken.
"Was habt ihr, Meister Distelzweig?", stichelte Merlin. "Freut ihr euch denn nicht?", fragte Merlin auf Druidisch, eine Sprache von der Merlin genau wusste, dass Derikon sie erkennen, jedoch nicht verstehen würde... Doch Derikon verstand. Zwar nicht die Worte, jedoch den Sinn hinter ihnen.
"Ihr meint...?" fragte er aufgeregt und erhob sich halb.
"Ja, ihr werdet Druidisch lernen...“, antworteten Merlin, jetzt wieder auf Elfisch.

Das war ein hohes Privileg, denn nur Druiden durften diese Sprache sprechen. Das bedeutete, Derikon war nun beinahe Druide. Er war sicher, er würde einer werden, und müsste nur noch eine einzige Prüfung ablegen müssen....
Jetzt verstand er auch, wieso Merlin die Wölfe gegen ihn gehetzt hatte. Er war der Meinung, dass Derikon jede ihm gestellte Prüfung bestehen würde... Ja, Merlin hatte eine seltsame Art sich auszudrücken...

Ein halbes Jahr später sprachen sie nur noch Druidisch.

An einem kalten Tag im Winter, es Schneite gerade mal wieder, kam Derikon mit einer Bitte zu Merlin.
"Ich will mehr über die Dunkelelfen erfahren, Merlin... Ich muss mehr über meine Dunklen Brüder wissen“, er spuckte aus "die meine Gesamte Sippe auslöschten."
Merlin seufzte und schüttelte ernst den Kopf. "Derikon, ich halte das für keine Gute Idee... komm, setzen wir uns!", er wies auf einen Stein, der groß genug für sie beide war.
Sie setzten sich darauf nieder und betrachteten eine Weile das Fallen der Schneeflocken.
Es war idyllisch still hier. Die Flocken fielen wie ein weißer Vorhang vor einem grünen Haus. Die Stimmung schien melancholisch, obwohl es gar keinen Grund dazu gab.
"Derikon...", sagte Merlin, nachdem er die Stille ein wenig hatte wirken lassen. "... sag mir, warum hasst du die Dunkelelfen so sehr? Sie sind Teil dieser Natur wie du und ich auch. Sie sind Teil des Gleichgewichts, das dir so sehr am Herzen liegt… liegen sollte." Er sprach leise, beinahe schon sanft.
"Sie haben alle getötet Merlin, alle..." Er schien kurz vor den Tränen, wusste nicht, was er tun sollte. Merlin hatte natürlich recht, doch er konnte sich seinem Herzen nicht verschließen... Er wollte Rache für Lucien, für seine Familie... er wollte sie vernichten! Jedem Einzelnen das Herz ausreißen, er wollte... wollte doch nur...
Merlin hatte eine Weile nichts gesagt, als ob er genau wusste, was Derikon empfand. Dieser fing jetzt wirklich an zu schluchzen " Sie... sie... Merlin, ich weiß nicht, was ich tun soll! Hilf mir! Ich komme mir vor wie einer von ihnen... Ich möchte jeden einzelnen von ihnen....", sein Körper verkrampfte, er hob seinen Arm und seine Hand ballte sich, zitterte während er sprach, zur Faust, "... zerquetschen, ausmerzen!" Er knurrte laut, wie ein Untier. Von Trauer war nichts mehr zu sehen.

"Derikon!" Merlin erhob sich und hob beschwörend die Hände. "Du drohst alles zu zerstören was dir lieb ist, allein weil du nicht vergessen kannst, nur weil du deinen Zorn in dich hineingeätzt hast! Ich gebe dir hiermit einen Auftrag, mit der mir zueignen Macht, dich auf den richtigen Weg zu leiten!"
Derikon sah Merlin aus blutunterlaufenen Augen verwirrt an, während dieser Sprach: "Du sollst ausziehen, einen Wolf zu finden, der schon direkt nach der Geburt groß und kräftig genug scheint, um Leitwolf zu werden. Falls du einen Solchen im Resterhain nicht findest, suchst du Andernorts! Dazu soll dieser Wolf weiblichen Geschlechts sein. Du wirst ihn der Mutter gewaltlos entwinden bevor er 2 Monde alt ist!
Du wirst ihn mit Liebe aufziehen, und deine Letzte Prüfung wird mit ihm zusammenhängen! "
Während Merlin die Worte gesprochen hatte, hatte er kompliziert anmutende Gesten vollführt, was er jetzt immer noch tat.
Derikon sah auf und wusste, was geschehen war. Traurig über sein Versagen und demütig über die 2. Chance, die Merlin ihm gab, ließ Derikon den Kopf hängen und wartete bis Merlin geendet hatte. Das dauerte noch eine Weile. Manchmal sprach Merlin noch Worte während er ein Geste nach der anderen vollführte, eingegeben durch Silvanus, dem Gott der Druiden, welchem Merlin folgte.
Als letztes vollführte er eine Geste, die wie das Ausholen zum Schlag aussah. Derikon zuckte nicht eine handbreit zur Seite, als Merlins Hand auf seine Stirn zuschnellte, um im letzten Moment langsamer zu werden und sie nur darauf zu legen.
Als das geschah, fühlte Derikon den Auftrag in sich übergehen und in sein Wesen einfließen. Er fühlte praktisch, was er zu tun hatte und was er nicht durfte.

Dann sprach er die Worte, die, wie er wusste, Merlin als Akzeptanz von ihm erwartete: "Wann soll ich aufbrechen, Herr?" Er sprach die Worte vollkommen ruhig.
"In zwei Tagen." , antwortete Merlin ebenso ruhig und nahm die Hand von Derikons Stirn.
"Sehr gut." er erhob sich und sah Merlin in die Augen. "Habt dank, sha. Ich werde mich vorbereiten gehen...."

Er saß einen Tag meditierend an einem Baum, in warme Felle gehüllt, und suchte eine Lösung zu finden. Er würde lange Zeit einfach suchen müssen. Denn er wusste, wenn er die Welpin unter zwei Monden finden und an sich nehmen sollte, das waren 8 Wochen, musste er schon einiges an Glück haben. Und dann musste er der Mutter das Welplein nehmen... gewaltlos. Eigentlich hätte er keine Gewalt gegen ein Rudel Wölfe angewendet, das wäre das Ende seiner Ausbildung gewesen. Doch hätte Merlin das bei dem Zauber, den er über ihn gesprochen hatte ausgespart, hätte er das getan.
Er seufzte. Seine Gedanken drehten sich im Kreis. Wie soll ich sie überzeugen? Soll ich sie ablenken? Vielleicht Gewährt mir die Natur für diesen Auftrag einen Zauber? Doch was sollte der mir Nutzen? Es müsste ein mächtiger Zauber sein, und den zu erfragen fühle ich mich selbst nicht würdig genug.
So und ähnlich kreisten seine Gedanken den ganzen Tag.
Über diesen Gedanken schlummerte er ein.

Als er erwachte, fand er vor sich einen langen Stab liegen.
"Seltsam.", sagte er laut, aus Überraschung. Die Misteln waren doch gestern noch nicht dort gewesen? Er zuckte mit den Schultern, nahm seine Sichel, schnitt die Misteln und befestigte sie an dem Stab. Er prüfte seine Festigkeit und ging einfach in irgendeine Richtung los, er wollte noch ein paar Kräuter sammeln, bevor er losging.
Er hatte noch nicht ganz alles gefunden, er brauchte noch ein paar Beeren, da überkam ihn eine Vision. Er knickte in den Kien ein, so plötzlich und übermächtig kam sie:

Er sah eine ältere Wölfin, die gerade gebar. Er erkannte den Ort an dem sie sich befand.
Instinktiv wusste er, es würde ein weiblicher Wolf werden, stark und kräftig. Genauso sicher wusste er, woher diese Vision kam: Die Natur hatte sie ihm geschenkt, genauso wie die Misteln an diesem Morgen. Misteln waren eine Art heiliges Symbol für Druiden.

Als die Vision endete, erhob Derikon sich langsam. Er wusste, was er zu tun hatte, doch waren es mindestens zwei Wochen Fußmarsch dorthin. Dann fiel ihm ein, woher er den Ort kannte und alles in ihm drehte sich um: Er lag im Cormanthor....


| Als er an diesem Abend heimkehrte, erwartete Merlin ihn bereits. "Es scheint," sagte er offensichtlich gut gelaunt "scheinbar so, als schiene der Mond bereits." Danach blickte er Norsal mit einem erwartungsvollen Grinsen an.
"Was?!" fragte dieser nur höchst verwirrt.
Merlin kicherte laut. "Seit zwei Jahren seid ihr nun bei mir, und noch immer versteht ihr mich nicht!"
Norsal nickte nur flüchtig und ging zu seiner Bettstatt. Merlins Gesichtszüge wechselten von fröhlich zu traurig und nachdenklich. Er seufzte. "Ich wollte auch, wir wären uns unter anderen Umständen begegnet, Norsal. Doch wir können uns nicht aussuchen zu welchen Zeiten wir leben... nur, was wir mit der uns gegebenen Zeit tun...."
"Ich habe noch mehr als genug davon, Merlin, das ist mein Problem!" sagte Norsal trotzig und müde.
Wieder seufzte Merlin... dieser Junge würde ihn alle seine Nerven kosten. Laut sagte er: " Und was wirst du mit dieser anfangen? Wirst du trauern? Die ganze Zeit im Dunkeln hassen, dem Vergangen nachhängen?!" sein Ton wurde jetzt schärfer, und das tat ihm leid, doch er musste Norsal aus der Defensive locken. "Seit zwei Jahren hast du nichts besseres zu tun, als hier herum zu lungern und den Wald zu durchstreifen!"
Norsal blickte ihn mit glasigen Augen an, und sagte nichts. Nach einer Weile winkte Merlin verärgert ab und stapfte hinaus.
Norsal blieb allein zurück. Es war an ihm nachzudenken, das wusste er. Doch was sollte er tun?
Natürlich hatte Merlin Recht, er konnte nicht ewig trauern... doch der Schmerz war noch so nah.
Er atmete schwer aus. Er musste etwas verändern... doch nicht heute.
Mit diesen Gedanken schlief er ein.

Zwei Wochen später, er hatte nichts getan, ging er in den Wald, Merlin zu suchen...

Er fand ihn, oder eher Merlin fand ihn, zwei Tage später.
Merlin gab sich nicht besser gelaunt, als beim Auseinandergehen der beiden.
Norsal wusste nicht, dass Merlin genau wusste, was den jungen Elfen zu ihm trieb und hatte ihn absichtlich warten lassen und gab sich absichtlich noch wütend, obwohl er es nie gewesen war.
"Herr... es tut mir leid... ich.... Bitte lehrt mich ein Druide zu sein, wie ihr einer seid!" sagte er, dann immer sicherer werdend.
Innerlich jubelte Merlin, dieser Junge war von Anfang an für nichts anderes bestimmt gewesen. Nach außen blieb er kalt.
"Hast du darüber gut nachgedacht, junger Elf?“
"Ja, das habe ich. Es ist mein seligster Wunsch, das Gleichgewicht der Natur zu verstehen und zu beschützen." Antwortete Norsal, immer noch ein wenig unsicher. Er wusste nicht genau was Merlin von ihm wollte

Merlin grinste nun breit. "So denn, lasst uns beginnen.... Folgt mir.“

Jetzt verstand Norsal! Dieser kleine… Gnom hatte das vor zwei Wochen bereits geplant
Dann zog er noch die eine oder andere Parallele und wusste, dass Merlin das schon länger geplant hatte als zwei Wochen. Nur wohl unter anderen Umständen.
Nachdenklich folgte er Merlin. |








Derikon war gerade dabei, eine seiner Fallen zu durchsuchen. Er würde einiges an Nahrung brauchen, denn demnächst würde er den Weg überqueren, was ihn drei Tage kosten würde.
So in Gedanken fiel ihm nicht auf, dass er verfolgt wurde. Verfolgt wurde von etwas Großem, etwas Hungrigem.
Noch befand er sich im Resterhain, sein Zuhause. Er war eigentlich sicher.
Doch gerade als er sich bückte, um eine Leere Falle neu aufzustellen, traf ihn von hinten ein gewaltiger Prankenhieb, welcher ihn herumdrehte und drei Meter durch die Luft gegen einen Baum fliegen ließ. Das letzte was er sah, war die Gestalt eines Eulenbären, eines riesigen Eulenbären!


Ein Eulenbär war eine Mischung aus - wie der Name schon sagt - einem Bären und einer Eule. Er hat den Körper eines Bären, den Kopf einer Eule, Federn in der Farbe von Fell und lange Krallen an seinen Tatzen. Sie sind nicht böse, doch sehr aggressiv und greifen beinahe alles an, was sich ihnen in den Weg stellt.

Nun... dieser hatte Hunger und Derikon stand im Weg.

Der Eulenbär war glücklich, auch wenn das spärliche Ding dort keine lange Versorgung darstellen würde... es würde reichen.
Gerade beugte er sich mit zufriedenem Grollen herab, als ein grell weißes Leuchten vor seine Beute sprang. Im ersten Moment verspürte er Wut und wollte darauf losgehen, doch dann wurde er einfach nur ruhig... Essen... Wärme...
Er zog von dannen.

Derikon war sofort ohnmächtig geworden. Er hatte mehrere Rippen gebrochen, sein Brustkorb war eingedellt und das Bein war an der Stelle gebrochen, an der er gegen den Baum gekracht war.
Was er als nächstes sah, verwunderte ihn sehr.... Es war ein Baumhirte, welcher ihn auf den Armen trug. Er spürte das Schaukeln der Schritte des Riesen.
Er wurde wieder ohnmächtig.

Baumhirten sehen aus wie laufende und sprechende Bäume und sind dies im Prinzip auch. Sie sind mächtige magische Wesen, die, wie Druiden, nur noch näher, im Dienst der Natur stehen. Einige sind sogar in der Lage, die mächtigsten Druidenzauber zu wirken oder sind Druiden.


Wieder erwachte er:
Bäume...
Ja er war im Wald. Natürlich war er das, er wohnte im Wald...
Im Resterhain. Ja das war der Name des Waldes, in dem er wohnte. Er... "BEI ALLEN GÖTTERN DES WALDES DER EULENBÄR!!!" entfuhr es ihm, und er wollte hochfahren. Mit einem Mal kam alles zurück... Doch Schmerz durchfuhr seinen ganzen Körper und er fiel stöhnend wieder zurück. Eine tiefe grollende Stimme erklärte ruhig, und vor allem langsam:
"Jhaaa, dehr Euhlenbähr... Ihhr sohllteht vohrsichtiger seihn, Meister Dihstelzweig. Nähchstes Mahl bihn iich viehleicht nihcht dahh."

"Meister YallumeLinn!"
Einer der Namen des Baumhirten, die Waldbewohner hatten ihm viele gegeben. Dieser bedeutete soviel wie 'Letztendliche Ruhe' -
"Ohne euch wäre ich verloren gewesen... habt vielen Dank!"
"Hrm...", sagte der Baumhirt. "Nhichht dehr... Rhedee whert, jungehr Hehrrr...."

Derikon blieb noch einige Zeit bei YallumeLinn, welcher ihn möglichst schnell - mit einigen Zaubern dauerte es nicht länger als einen halben Tag - gesund pflegte. Derikon erzählte ihm von der Aufgabe, die Merlin ihm aufgegeben hatte und er hatte das Gefühl, der Baumhirte würde grinsen... Jedoch beeilte sich dieser danach noch um einiges mehr, da er um die verheerenden Wirkungen dieses Zaubers wusste. Sollte er einen Tag lang der Aufgabe nicht nachkommen können, würde den Betroffenen äußerst übel werden. Er würde Probleme mit der Koordination haben und seine Kräfte würden schwinden. Und es würde schlimmer werden...

Also konnte Derikon schon bald weiterziehen, vom Baumhirten mit ausreichend Proviant versorgt, welcher über Naturmagie haltbar gemacht worden war, sodass er vorerst nicht mehr jagen müsste.

Die Überquerung des Weges zwischen Cormanthor und Resterhain verlief problemlos. Der Weg verlief von Norden, aus Dolchfall, nach Süden und Derikon überquerte diesen vom Westen aus dem Resterhain, nach Nordosten in den Cormanthor zu der Stelle, an die er sich noch gut erinnern konnte... Dort hatte einst Tel'Quessir-Enor gestanden... sein Geburtsort.


|Seine Ausbildung machte schnell Fortschritte.
Mit 45 beherrschte er bereits perfekt Orkisch, Goblinsch, Abyss, Unterweltshandelsprache und auch seine Elfischkentnisse hatte er erst langsam vervollständigen können.
Er wollte so viele Sprachen wir möglich kennen. Sie sagten, fand er, etwas über das jeweilige Volk aus. Auch wenn zu dieser Zeit Volksangehörigkeiten nicht mehr allzu wichtig für ihn waren.....
Mit 60 kannte er die meisten Baumarten, von Blütezeit bis Geschmacksrichtung der Blätter, beim Namen und konnte beinahe alle Vogelarten am Gesang unterscheiden....


Auch seine Trauer schwand... an ihre Stelle rückte etwas anderes, was er zuerst nicht erkennen konnte, vielleicht auch nicht erkennen wollte.

Hass.

Langsam aber sicher nistete sich dieser in seinem Herzen ein.

Auf seine Dunklen Brüder, die Drow, auf den einen von ihnen... den einen mit kurzen Haaren.
Nur langsam wuchs dieser Hass, und nur langsam veränderte Norsal sich mit ihm, bemerkte sein schleichendes Einziehen nicht....
Als er 65 Jahre alt war, war bereits eine gewisse Routine zwischen Derikon und Merlin eingekehrt. Derikon war den Großteil des Tages im Wald unterwegs, unterhielt sich mit Baumhirten und ähnlichen Wesen, die im Resterhain lebten und über die Zeit zu Merlin gefunden hatten. Merlin war in dieser Zeit viel unterwegs und ließ sich nur selten blicken.

Mit 80 begann er aggressiver, unausgeglichener zu werden... Er stellte offensichtlich Fragen über Drow und wollte auch ihre Sprache lernen.
Er sprach offen zu den Wesen des Waldes über seinen Hass auf sie. Doch sie wichen ihm alle aus, gaben einsilbige Antworten oder gaben vor, nichts zu wissen.

Eines Tages stellte er Merlin zur Rede, welcher meinte, er habe damit nichts zu tun... und er solle von seinem Zorn lieber ablassen. Norsal war jetzt 90 Jahre alt.

Doch Norsal ließ nicht ab, sondern ging nach Dolchfall, der nächstgelegenen Stadt... eine kleine Stadt aus der sicht eine Städter, für Norsal war sie riesig, unüberschaubar und ekelhaft.
Merlin hielt ihn nicht auf, im Gegenteil, er gab ihm ein wenig Gold mit und sagte, er solle sich bei Guddar, einem Freund von ihm, melden.
Norsal war 95 Jahre alt, als er ging.

Norsal lebte von diesem Moment an gegen seinen Willen in einer Stadt, arbeitete als Jäger, lebte sogar in einem Haus... er musste mehr über seine Schwarzen Brüder erfahren....

Es war an einem wolkenverhangenem Tag, als Norsal noch vor Sonnenaufgang nach Draußen ging. Es war unheimlich düster und selbst Norsal konnte kaum etwas sehen.
Seine Wut im Bauch, sein Hass, war ergänzt worden durch Bitternis. Ein Wesen, das den Wald liebt und die Stadt verabscheut und dort leben muss um etwas zu erfahren, das ihm niemand erzählen konnte... Er war rau und mehr als unfreundlich geworden.

Er trug ein Langschwert an seiner Seite und einen Bogen auf dem Rücken. Er hatte noch in Tel'quessir-Enor damit umzugehen gelernt. Er hatte die Techniken damit ,seit er in Dolchfall war, verbessert. Vor allem mit dem Langbogen, denn für diese waren die Taliser bekannt. Das Langschwert zu handhaben hatte er von dem Jäger, bei dem er wohnte gelernt.
So lief er, mit fester Kleidung, die er von den Jägern hatte, und einem alten, großen Umhang aus Fell, durch die Stadt.
Er war auf der Suche... wie immer. Er kannte die Stadt mittlerweile recht gut.
Nach fünf Jahren konnte man das erwarten.

Sein Ziel war irgendein Bürger der Stadt, der so früh schon auf war. Er ging eine Weile immer der Nase nach durch Dolchfall, kam an Häusern vorbei, in denen es noch dunkel war, in dem einen oder anderen konnte er sehen, brannte die eine oder andere Kerze. Norsal setzte seine Kapuze auf.

Und dann begegnete er einem Bürger: "Einen schönen Morgen wünsche ich, der Herr!", sprach er mit dünner und leiser Stimme. Er stand einem männlichen Menschen gegenüber, welcher sich im mittleren Alter befand. Er sah nicht übermäßig kräftig aus und hatte einen Vollbart. Er blieb stehen und sah sich nach Norsal um: "Morgen.", sagte er misstrauisch, "Auch schon so früh auf den Beinen? Is noch verdammt dunkel!"
"Ja.", antwortete Norsal gefährlich leise "Nun, ich bin auf der Suche nach ... Weisheit."
"Oh!" sagte der Mann grinsend und wollte sich verabschieden, doch Norsal hielt ihn auf. Er macht einen Satz nach vorne und hielt den Mann an den Schultern fest. "Ihr werdet versuchen mir zu helfen, mein Freund!", flüsterte er dem Mann ins Ohr.
Der Mann wimmerte "Bitte, bitte... ich will euch sagen was ich weiß, aber ich bin nicht sonderlich wissend!"
"Gut... sehr gut!" sagte Norsal sanft… zu sanft. "Nun sagt mir, Mann...", das Wort "Mann" betonte er verächtlich. "Was wisst ihr über Ssri'Tel'Quessir?" Er wusste genau, der Mensch würde die elfische Bezeichnung niemals verstehen, und grinste böse in sich hinein.
Der Mensch schüttelte verängstigt den Kopf "Herr, ich... ich... ich weiß nicht mal, was das is!“
"So?", fragte Derikon spitz und legte die Hand offensichtlich an den Schwertknauf. "Wisst ihr also nicht, mh?"
Das Kopfschütteln des Menschen wurde heftiger und hysterisch. "Nein, Herr, nein!"
"Schscht!", machte Norsal und hob die Hand, die nicht am Schwert war. "Wir wollen doch niemanden aufschrecken, mh?", seine Stimme blieb ruhig, doch das machte sie in den Ohren des Menschen nur umso widerlicher, gefährlicher....
"Ich vergebe euch... dieses Mal. Solltet ihr ein weiteres Mal schreien..." Norsal zog das Langschwert blank.
Der Mensch schluckte "Ich werde still sein!", seine Stimme war bitter, denn er wusste, er würde die Fragen dieses störrischen Elfen nicht beantworten können.
"Gut.", sagte Norsal, den Menschen nun umrundend. Er wusste genauso gut, dass er die Fragen nicht beantworten konnte. Er wusste vermutlich weniger, als er selber. Er wollte nur seinen Frust herauslassen.
"Nun, sagt mir, was wisst ihr über die Ssri'Tel'Quessir, die Illythiiri, die Drow, meine Dunklen verwandten... Die Dunkelelfen?"
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Er machte eine kurze Pause. "Und dieses Mal solltet ihr antworten, kleiner Mensch."
Der Mann schluckte schwer. "Herr Elf... ich kannte nicht einmal alle diese Namen... ich befürchte....."
Norsal machte mit erhobenem Schwert einen schnellen Schritt auf ihn zu und legte ihm die Spitze an die Kehle. Die andere Hand legte er auf den Hinterkopf seines Gegenübers. Ihre Gesichter waren sich jetzt ganz nah.
"Sag mir, kleiner, widerlicher Wurm", flüsterte er, "willst du damit ausdrücken, dass du nichts über sie weißt?!"
Seine Stimme blieb leise, doch sie war voll von Zorn. Ein Blutstropfen rann vom Hals des Bürgers.
"Nein, Herr, bitte lasst mich erklären, ich bin doch nur..." der Rest ging in einem von Blut erstickten Gurgeln unter, als Norsal zustach. Blut kam aus dem Mund des Mannes gelaufen, die Gesichtszüge zeigten maßlosen Schrecken und Schmerz.
Norsal zog das Schwert wieder heraus und machte einen schnellen Schritt zurück, um nicht mit Blut voll gespritzt zu werden, das jetzt pulsartig in einer großen Fontäne herauszuspritzen begann.
Er verzog angewidert das Gesicht, während der Mann, immer noch lebend, röchelnd in die Knie ging, starb und mit dem Gesicht zu vorderst in die Lache aus seinem eigenen Blut fiel. Norsal spuckte auf seine Leiche, wischte sein Schwert an dem Bein des Mannes ab und ging an die Arbeit. Er wollte den Jäger ja nicht verärgern.

Leicht Grinsend ging er aus dem Stadttor und machte sich auf den Weg...|



Mit gerunzelter Stirn näherte sich Derikon leise den verkohlten Resten seines ehemaligen Dorfes. Die Ausbreitung des Feuers war nur dank Merlin verhindert worden, damals.
Im Moment suchte er jedoch nur nach dem Wolfsrudel.
Da!
Eine Spur!
Sie konnte höchstens einen oder zwei Tage alt sein, schätzte er... ja... Merlin war nicht sein einziger Lehrmeister gewesen...
Seltsam..., dass ihm dieser Gedanke gerade jetzt kam.

Nun ja... er machte sich eilend auf die Suche nach dem Rudel... er durfte es auf keinen Fall verpassen!


|Norsal und der Jäger (er hieß Guddar Oberwoder) verfolgten nun schon seit drei Tagen dieselbe Spur... sie hatten eine Pause gemacht mit Verkaufen von Fleisch, damit Norsal einmal anständig Spuren lesen lerne!
Naja, finden tat er sie ganz gut... doch ihnen zu folgen vermochte er nicht... Fallenstellen konnte er gut, oder etwas schießen, das ihn übersah, wenn er geduldig auf der Lauer war. Doch auch Spuren zu folgen sei gelernt!
Norsal machte schnell Vorschritte... auch wenn er nur halbherzig bei der Sache war.
Er wollte Rache, nichts sonst. Doch er musste sich gedulden... lernen.|


Er atmete ruhig, lief schnell... und das nun schon seit Stunden. Links, rechts, links, rechts... er betrachtete seine Füße und den Boden davor. Er wurde langsam ein wenig müde, doch die Spuren denen er folgte, waren leicht zu verfolgen, der Boden hier war moosig und fast immer feucht. Ab und zu kniete er nieder, um festzustellen, wie alt die Spuren waren.
Er kam näher... und er wusste auch, warum sie langsam waren... ihre Leitwölfin war schwanger.
Er lächelte still bei sich, und lief weiter.

Endlich, nach zwei Tagen mit fast keiner Rast, hatte er sie erreicht. Sie fraßen gerade, was von den Wölfen um die Schwangere erjagt worden war. Er beobachtete sie einfach nur und begann, selbst etwas zu essen. Er hielt sich aus ihrer Witterung, er wollte sie noch nicht stören.

Mehrere Tage folgte er ihnen in einigem Abstand. In der Nähe des Rudels war er einigermaßen sicher.
Dann begann er langsam, sich ihnen zu nähern. Er war empathisch in der Lage, einiges zu leisten.
Beim ersten Näherungsversuch reagierten die Wölfe verärgert und scheu, sie knurrten ihn an, versuchten ihn zu verjagen. Derikon versuchte, langsam in die Hocke gehend und die Hände von sich streckend, ihnen zu zeigen, dass er ihr Freund sein wollte.
sie ließen ihn ziehen, doch bei ihnen bleiben konnte er nicht.

Wieder einen Tag warten, dann das gleiche noch einmal.

Nach einer Woche reiste er in Sichtweite mit ihnen.

Dann kam das Wolfswelpe.
Derikon war begeistert. Der Zauber, der über der Geburt lag, war für ihn nicht zu beschreiben. Völlig ohne Hilfe kam der Wolfswelpe. Die Mutter schien Schmerzen zu haben... doch das Rudel ließ ihn nicht heran um ihr zu helfen... sie würde überleben, oder nicht.

Wie zärtlich die Tiere waren, wie sie es behüteten! In diesen Tagen machte Derikon keine Fortschritte, was das Rudel anbetraf...
In der Folgenden Zeit kam er dem Rudel von alleine näher... er reiste mit ihnen, jagte mit ihnen und rastete in ihrem Rhythmus, er fraß mit ihnen...
Er vergaß die Welt um sich herum... Vergaß Derikon Distelzweig, Norsal, Merlin, Guddar, seine Eltern, Lucien, sein Dorf und...:

Die Dunkelelfen.





Doch genau hier hätte ihm das nicht passieren dürfen... denn dies war mittlerweile größtenteils ihr Reich.
Doch dieses Wolfsrudel hatte nicht ohne einen Grund hier überlebt, auch wenn die Drow normalerweise kein Interesse an ihnen hatten, gab es hier schon immer auch andere Gefahren, als nur willkürliche Dunkelelfen.

Doch an diesem speziellen Rudel hatten die Dunkelelfen natürlich mehr Interesse als sonst. Selten hatten sie solch einen elfisch anmutenden Wolf gesehen (der dem Alphaweibchen inzwischen alle Ehre machte, und das Junge immer öfter unter seine Fittiche nahm).

Sie beobachteten dies mehrere Tage lang, ohne dass das Rudel etwas mitbekam.

Und eine andere kleinere Gestalt, die wiederum ihnen unbemerkt folgte, wurde ebenfalls nicht bemerkt.
Hätte man sie gesehen, man hätte sie breit grinsen sehen....

Es war in der Nacht als die Drow endlich wissen wollten, was dieser verdammte Elf da machte. Derikon war mittlerweile das Alphamännchen und so etwas wie der Liebhaber der Mutter. Ihr Kind war jetzt auch sein Kind, womit der Auftrag erfüllt war.
Die Drow postierten sich, mit dem Rudel mitziehend, langsam um das Rudel herum. Sie gedachten, das Rudel einfach auszulöschen, den Elfen gefangen zu nehmen, ihn zu foltern und dann Lloth zu opfern. Eigentlich hätte es einer dieser Drowkrieger mit einem Rudel Wölfe aufnehmen können, doch sie waren, was dieses Rudel anbetraf, vorsichtiger.

Als die Wölfe rasteten, machten sich die Drow bereit, Derikons neu gewonnene Familie direkt wieder auszulöschen. Die kleinen Handarmbrüste mit den vergifteten Bolzen waren gespannt und zeigten je auf einen anderen Wolf.

In diesem Moment bemerkte Derikon dies und stieß einen knurrenden Laut aus. Der Rest des Rudels wusste sofort Bescheid. Beim nächsten Knurren, was nur eine halbe Sekunde nach dem ersten kam, sprangen die Wölfe absolut plötzlich in andere Richtungen, jeder einen Drow an. Denn mit dem Wissen, dass da etwas ist, konnten die Wölfe sie leicht ausmachen.
Darüber war selbst die kleine Gestalt, die über der ganzen Szene, saß überrascht.

Die Drow, hier von einem Rudel Wölfe überrascht, fielen innerhalb von Sekunden. Zumindest einige. Drei der Wölfe schafften es, den Drow an die Kehle zu springen, welche beinahe sofort tot waren. Derikon war auch mit bloßen Händen auf einen Drow losgegangen, mit welchem er jetzt, wie in einer grotesken Umarmung, rang. Die anderen Wölfe saßen auf den Drow, die verzweifelt versuchten, mit ihren Handarmbrüsten die Bisse der Wölfe abzuwehren, was auch nicht immer funktionierte. Derikon hatte seinen Gegner am Boden festgenagelt. Mit einem seltsam klingenden Knurren biss er ihm in den Hals und riss den Kehlkopf heraus. Daraufhin erhob er sich schnell und ging ohne zu zögern, mit blutverschmiertem Mund auf den nächsten Drow los, welcher einen der Wölfe getötet hatte und jetzt ohne Gegner war.
Bis hierher waren es kaum fünf Sekunden gewesen und die Drow begannen hier und da (wo noch welche am Leben waren), sich zu fassen. Einer zog ein Schwert, er war von zwei Wölfen umringt, stand aber und begann, damit nach den Wölfen zu schlagen. Doch diese wichen den meisten Schlägen geschickt aus. In dem Moment, als Derikon sich seinem neuen Gegner zugewandt hatte, begannen vier Bäume um sie herum, sich zu bewegen! Sie holten aus und schlugen mit knarrenden Ästen nach den Drow. Derikon stürzte sich mit einem jubelnden Heulen auf den Drow ihm gegenüber, welcher sich eingeschüchtert zur Flucht wandte. Der Rest des Rudels stimmte laut in das Geheul ein und es schallte durch den ganzen Wald und ließ die laufenden Drow erschauern.

Jene kleine Gestalt, die dort auf den Bäumen gesessen hatte, die Bäume belebt hatte, kam nun, nicht mehr grinsend nach dem, was sie von Derikon gesehen hatte, langsam auf das Rudel zu, welches sich gerade an Dunkelelfenfleisch gütlich tat. Mit einigen kleinen Worten wischte er das Interesse der Wölfe an ihm weg und ging auf Derikon zu, welcher ihn immer noch anknurrte. Der Wolfs "welpe" (Derikon reiste bereits an die zwei Jahre mit dem Rudel) war auch nicht von dem Zauber betroffen, den Merlin gesprochen hatte und knurrte auch leise. Merlin sprach auf Druidisch: "Derikon, ich bin mir nicht sicher ob mir gefällt, was ich da sehe. Ich dachte, ihr hättet euren Hass gegenüber den Dunkelelfen abgelegt. Doch als Derikons Knurren lauter wurde, er einen Schritt auf Merlin zu machte und die anderen Wölfe sich Merlin nun auch wieder zuwandten, erkannte Merlin seinen Irrtum:
Nicht Zorn auf Dunkelelfen war es gewesen, was er in Derikon Augen gesehen hatte, sondern derselbe Zorn wie er jetzt auch in seinen Augen stand. Zorn gegen Feinde des Rudels. Er war in Blutrausch geraten, als er die Drow bemerkt hatte und das Rudel würde sich auch gegen Merlin wenden, wenn Derikon es wollte. Er musste aufpassen, denn so konnte das Rudel auch ihm gefährlich werden, denn Derikon war mächtig geworden...doch er war nicht mehr völlig ein Elf, sondern zum größten Teil Wolf.

Merlin dachte nach, alles musste jetzt blitzschnell gehen. Derikon machte einen weiteren Schritt und Merlin wusste, lange würde er nicht mehr nur drohen.
So versuchte er es mit Empathie, wie er es bei einem Wolf versuchen würde.
Und tatsächlich, Derikon nahm einen der Drow auf die Schulter und ging davon. Die Tochter des Ex-Alpha-Weibchens neben ihm, die einzige, die nicht auch irgendwie versuchte, tote Drow mitzunehmen.
So verschwand das Rudel in der Dunkelheit des Waldes. Doch Merlin wusste, die Drow würden mehr Leute aussenden... mehr noch als vorher. Und dann bekämen selbst das Rudel und er zusammen Probleme.
Er musste also hinterher und Derikon überreden, ihm zu folgen... und zwar schnell.
Dann kam ihm eine Idee... doch er würde Vorbereitungen treffen müssen. Als er darüber nachdachte, musste er unwillkürlich grinsen. Das war genau nach seinem Geschmack! Mit diesem Gedanken und einigen gemurmelten Worten löste er sich in eine kaum sichtbare Wolke auf...

| Nach zwei Monden kehrten sie Heim von ihrem "Jagdausflug" und Norsal konnte nun beinahe genauso gut Spuren lesen wie Guddar.
Doch nun galt es, weiteres über die Drow zu erfahren.
"Ja Guddar", sagte er, wie immer ein ruhiges und ausgeglichenes Gemüt vortäuschend, "sicher helfe ich euch dabei, das Haus zu reparieren und Brennholz heranzuschaffen..." Der Winter kam bald und es galt, einiges vorzubereiten.
Eine Woche später hatten sie alles, was sie erst einmal brauchten. Norsal ging, wie immer, wenn auch weniger, auf die Jagd. Im Winter jagten sie immer weniger.
Norsal hörte sich weiter nach den Drow um, doch niemand dort schien etwas zu wissen.
Vier Wochen nachdem sie Heimgekehrt waren, resignierte Derikon und wollte Guddar Lebwohl sagen, um in eine andere Stadt zu gehen (er war damals wider Merlins Rat nicht direkt nach Dolchfall gegangen, sondern erst einige Jahre in Städten weiter im Süden gewesen). Das sagte er Guddar jedoch nicht.
"Guddar, hier gibt es nicht was ich suche." Doch Guddar, aufmerksamer als Norsal gedacht hatte, wusste mehr über ihn als dieser selbst....

Guddar war ein Halb-Elf, seine Geschichte ist ebenso Spannend wie jede andere, doch will sie ein anderes Mal erzählt werden. War der Natur sehr verbunden und setzte sich insgeheim für eine Einfügung Dolchfalls in selbige ein.
Merlin kannte er schon seit er ein Kind war (Norsal war älter als Guddar).

Alles was er sagte, war: "Ach, ist es wieder wegen euren Dunkelelfen?", während er weiterhin ein Fell gerbte. Norsal hatte versucht, es vor Guddar geheim zu halten. Sein Gesichtsausdruck wurde erst zornig und überrascht, bevor er sich wieder fangen konnte. Dann glätteten sich seine Züge wieder. Natürlich, dachte er, wie konnte ich nur annehmen, dass er nicht davon erfährt, bei der Menge an Leuten, die er kennt...
Dann lächelte er hinterlistig. "Ja, ist es. Was geht euch das an?"
"Was mich das angeht?", fragte Guddar freundlich lachend. "Ich kenne euch nun seit über sechs Jahren! Ich brachte euch das Spurenlesen, das Schwertfechten und einiges im Jagen bei! Ich nenne euch meinen Freund, Norsal!"
Da kam Derikon ins Überlegen…Freund? Dachte er bei sich… Das Lächeln verschwand von seinen Zügen und er fühlte sich plötzlich sehr einsam.
Guddar legte ihm die Hand auf die Schulter, sich insgeheim beglückwünschend, und sagte zu Norsal: "So ihr das wollt, werde ich euch zurück in den Resterhain begleiten."
Norsal sah auf. Eigentlich hatte er nicht vorgehabt, dorthin zurückzukehren. Doch dann nickte er: "Das wäre freundlich von euch, Guddar. Der Weg ist weit, einsam und nicht Ungefährlich." Er überspielte seine Nachdenklichkeit.

Zwei Tage später hatte Guddar eine Vertretung für sich gefunden (er gedachte, nicht zurückzukehren) und die Hütte verkauft. Proviant nahmen sie nur ein wenig mit, da sie sich den größten Teil selbst suchen konnten.
Norsal dachte die ganze Zeit an Merlin… was er sagen würde, wie er reagieren würde, wenn er wieder da wäre. Ob er ihn mit der Ausbildung fortfahren lassen würde.
Guddar ließ ihn. |


Er meditierte einen Tag lang, dann war alles vorbereitet. Er löste sich wieder in jene Wolke auf (wodurch er schneller voran kam) und raste hinter dem Rudel her. Als er es fand, ließ er sich vor ihnen nieder und verwandelte sich zurück. Die Wölfe blieben stehen und knurrten ihn an. Derikon kam vor und grollte böse. Merlin lächelte und sprach einen langen Satz, während Derikon weiter auf ihn zukam. Nun begann Merlin, machtvoll zu singen und Gesten dazu zu vollführen, was Derikon innehalten ließ. Er betrachtete Merlin eine Weile verständnislos, bevor er sich entschied, dass Merlin eine Gefahr sei und ihn ansprang. Doch der Zauber war gerade noch schnell genug fertig und Merlin rief die letzte Silbe der Strophe mit lauter Stimme.
Derikon schien mit verwirrtem Gesichtsausdruck in der Luft hängen zu bleiben. Auch die anderen Wölfe bewegten sich kurz nicht. Dann begann eine Veränderung einzusetzen: sie begannen sich zu verformen! Merlin ging mit zufriedenem Gesichtsausdruck von einem zum anderen und schien auf etwas zu warten. Dann konnte man sehen, was genau geschah. Die Wölfe, und auch Derikon, verwandelten sich in Hamster! Und Merlin ging umher um bei jeder angeschlossenen Verwandlung den Hamster in einen Sack zu stecken.
Danach kicherte er leise und löste sich wieder in eine Wolke auf, um gen Resterhain zu fliegen.



|Als sie dem Resterhain näher kamen, wurde Norsal unruhig und immer mehr von dem Gedanken beseelt, umzukehren. Er hatte immer mehr das Gefühl, Merlin würde ihn hassen, oder schlimmeres.

Doch er konnte jetzt nicht mehr zurück… nicht einfach so. Er hatte sich entschieden zurückzukehren, weil… ja, warum eigentlich? Alles was er bisher gewollt hatte, war Rache für seine Brüder und Schwestern. Er wollte wissen, er brauchte... Macht! Ein Grinsen stahl sich auf seine Lippen. Macht? Die konnte Merlin ihm geben…
Grinsend ging er einen Schritt schneller.|





Lautes Knurren.

Er klingt wirklich beinahe wie ein Wolf, dachte Merlin bei sich. Derikon war nun seit einem halben Tag in diesem Käfig und versuchte, sich zu befreien. Er kam einfach nicht zur Ruhe. Merlin hatte beschlossen, hier zu bleiben und ihm Beistand zu leisten, während er schwächer wurde.
"Derikon!", rief er zum wiederholten Male beschwörend. "Halte ein, du musst dich beruhigen!"
Doch Zwecklos, Derikon knurrte noch lauter und zerrte weiter an den Stäben, welche aus Holz waren. Jedoch hatte Merlin, nach dem er den Käfig schnell gebaut hatte, einen Zauber darauf gesprochen, der Holz hart wie Eisen machte. Derikon würde ihn nie zerstören können…
Merlin seufzte. Derikon würde sicherlich bald zur Vernunft kommen. Sicherlich…

Drei Tage später lag Derikon erschöpft auf dem Käfigboden und sah nur kurz auf, wenn Merlin ihm näher kam.
Am vierten Tag öffnete Merlin vorsichtig den Käfig. Derikon hatte seit 4 Tagen nun nichts mehr gegessen und nur wenig getrunken. Er kam langsam und schwächlich aus dem Käfig.
Merlin sah ihm tief in die Augen. Derikon erwiderte den Blick ohne ein Zucken, ungebrochen, selbst nach der Zeit ohne Nahrung. Er war es mittlerweile gewohnt, ohne auszukommen. Doch die Nähe Merlins hatte ihn alte Erinnerungen spüren lassen, und er war verwirrt.

Merlin lächelt froh, als Derikon ihn nicht einfach ansprang. Auf Elfisch fragte er:
"Können wir uns Unterhalten? Ich denke, es besteht Bedarf." Er bleckte die Zähne.
Derikon legte den Kopf schief, als überlege er, sagte jedoch nichts. Merlin ließ die Lippen fallen. "Ja, so was in der Art dachte ich mir schon. Folgt mir." Er machte eine entsprechende Geste, während er sich umdrehte. Er ging (in der Hoffnung, Derikon möge sich erinnern) zu ihrem alten Heim. Dort unterhielten sich gerade Guddar und ein noch recht junger Mensch, von vielleicht 10 Sommern. "Guddar, Tjord, lasst uns doch bitte allein!" Guddar nickte sofort, Tjord sah Derikon noch kurz interessiert an und erhob sich dann ebenfalls.
Merlin setzte sich ruhig auf einen der Fellhaufen unter dem Lederdach und betrachtete Derikon, welcher ein paar Meter vor dem Unterstand stehen geblieben war und diesen unruhig betrachtete. Nun ging er in die Hocke und schnüffelte aufgeregt. Plötzlich sagte er: "Aith?!" Vorsichtig kam er auf allen Vieren näher.
Merlin kicherte fröhlich. "Avavean, Derikon… Heimat…"
Derikon sah auf. Dann wurde sein Gesichtsausdruck kurz panisch, wechselte zu verwirrt und schließlich wurde er ruhig.
Er erhob sich, ging ruhig auf seine alte Bettstatt zu und legte sich schlafen. "Ja, schlaft… schlaft ruhig, Meister Distelzweig", flüsterte Merlin auf Gnomisch, eine Sprache welcher dieser kaum noch benutzte.


|Die Einsamkeit die er kurz gefühlt hatte, war verschwunden. An ihre Stelle war nun etwas anderes, gefährliches getreten.
Machthunger.
Als sie den Resterhain betraten, hatte Norsal seine erneute Freude überspielt und sah nun wieder nachdenklich aus. Als sie an den Unterstand kamen, war Merlin nicht da. Doch ein kleiner Mensch war dort. Er mochte 5 Sommer alt sein.
Guddar lächelte freundlich: "Na, kleiner Mann? Wer bist du denn?"
Der Junge blickte von seinem Spiel mit zwei Steinen und einem Ast auf und blickte Guddar eine Weile interessiert an, bevor er antwortet: "Ich bin Tjord und wer bist du?"
"Du kannst mich einfach Guddar nennen.", antwortete dieser nett.
"Guddi?" sagte der kleine Kichernd, "Du heißt aber Komisch!"


Guddar blickte den Kleinen noch ein wenig verwirrt an, als Derikon einfach an ihm vorüber ging und auf Elfisch sagte: "Lasst den Balg, er wird euch ohnehin nichts Sinnvolles sagen können. Entweder er will uns finden, oder er will es nicht."
Doch Guddar schien kein Problem mit dem Kleinen zu haben. Im Gegenteil, er schien Derikon nicht gehört zu haben und saß nun vor Tjord und übernahm gerade den Ast, den Tjord auf den einen Stein gelegt und versucht hatte, den anderen damit möglichst weit schleudern zu können…

Norsal verdrehte die Augen und ging einfach weiter. Er konnte Neugeborene nicht ausstehen. Für ihn war dieser Balg gerade erst zur Welt gekommen. Während er weiter in den Wald hineinlief, hing er weiter diesen Gedanken nach. Er lief und lief…

…und lief und…

Nichts tat sich. Nachdem die Sonne sich dem Horizont zuwandte, wurde er wütend. Er war nun schon seit dem Mittag unterwegs durch diesen Wald und Merlin zeigte sich noch immer nicht!
Und was denkst du, warum er das nicht tut? Ging es Norsal durch den Kopf.
Kann er deine Gedanken hören? Kurz nahm sein Gesicht erschrockene Züge an. Doch dann beruhigte er sich selbst.
Nein, er ist mächtig…, jedoch nicht so mächtig.
Sicher?
Den Gedanken wegschiebend ging weiter. Als es für einen Menschen zu dunkel geworden war, um noch zu sehen (was für einen Elfen jedoch nicht weiter schlimm war), hatte Merlin noch immer keinen einzigen Laut von sich gegeben.
Norsal zuckte mit den Schultern und bereitete einfach an Ort und Stelle sein Lager.

Im Traum erschien Merlin.

Er stand an seinem Lager und betrachtete Norsals Langschwert: "So, ein Schwert, mh? Metall, mh? Noch nicht einmal zum Kräuterschneiden ist es gut!" Seine Stimme hatte nichts vom freundlichen oder gar wirren Klang, den er sonst hatte. Auch sah Merlin älter aus als sonst… und größer.
"Du scheinst den Wunsch, Druide zu werden abgelegt zu haben!" Sein Blick ging zu dem großen, metallenen Schild Norsals. "Macht ist es, wonach dein Herz sich sehnt." Enttäuschung, Zynismus, Trauer. "Nicht Freundschaft, Weisheit und Ausgeglichenheit…
Dein Herz ist ebenso schwarz geworden, wie deine Dunklen Brüder, welche du zu vernichten gedenkst.

Weißt du, was das schlimme daran ist, Norsal? Du bist in der Lage dazu! Nicht jetzt, und nicht morgen. Doch wenn dein Hass dich soweit getrieben hat, wirst du von Ort zu Ort ziehen, wirst Wissen sammeln und zu einem wahren "Drowgelehrten" werden!" Er spuckte das Wort beinahe aus.
"Und ohne es zu beabsichtigen, wirst du mächtiger und mächtiger werden…
Dieser Nebeneffekt wird dir natürlich gut passen, doch wirst du nicht bemerken, wie du dich von dem Wald immer weiter entfernst, sich deine Waagschalen immer mehr voneinander entfernen! Wie du stürzt…
Es hat schon begonnen. Du bist schlecht, Norsal. Doch nicht durch und durch… Bedenke meine Worte!"

"Aber..!" Norsal sprang auf.
Merlin hatte sich schon umgedreht und war im Begriff zu gehen, doch nun blieb er noch einmal stehen und warf Norsal einen vernichtenden Blick zu, bevor er laut zu singen begann.
Norsal blieb stehen. Er verstand die Worte nicht, jedoch war ihm klar, dass Merlin einen Zauber angestimmt hatte.
Merlin begann seltsame Gesten auszuführen und bevor Norsal wusste, was geschah, endete Merlin und betrachte ihn noch einmal abschätzend. Dann ging er.
Norsal wusste nicht, was geschehen war. Doch als er sich umdrehte, sah er es: seine gesamte Ausrüstung!! Holz!
Alles Metallene war Holz geworden. Gold, Silber… alles was er an Wert dabei gehabt hatte!
Sein Schild! Nun Holz!
Und sein Schwert konnte er höchstens noch als Übungsschwert benutzen!
Er hatte es kaum bemerkt, doch war ihm ein kurzer Aufschrei entwichen. Plötzlich merkte er, wie still es war und….


…erwachte.

Er war immer noch da, wo er sich hingelegt hatte. Er war beruhigt, nur geträumt zu haben. Er erhob sich langsam, um sich umzusehen. Er hatte lange geruht, für einen Elfen... sechs Stunden.


Dann erschrak er heftig! Merlin saß neben ihm und betrachtete ihn. Wusste er von seinen Gedanken? Von dem Traum, den er gehabt hatte?

Sein Schrecken musste deutlich zu sehen sein, denn Merlin fragte lauernd: "Norsal, seid ihr nicht erfreut, zu finden, was ihr suchtet?"
Nun erschrak Norsal noch mehr. Merlin sprach genauso wie in seinem Traum! Und nun, da er ihn genauer betrachtete, sah er auch genauso aus!
Seine Gesichtszüge entgleisten nun vollends. Er starrte Merlin einfach nur noch an und sagte nichts.
"Ja", sagte Merlin, "euer Traum war nicht ganz so geträumt, wie ihr geglaubt hattet. Und glaubt mir, dieses Mal werdet ihr nicht aufwachen!" |





Warm. Angenehm warm.
Wut!
…Verwirrung.
Gefühle schwebten durch das Gewirr von Gefühlen und fanden nur manchmal einen Weg zur Wahrnehmung.

Essen! Jagen!
Nein... etwas ist anders.
Hunger! Rudel versammeln!

Wut fand den Weg durch das Gewirr von Gefühlen, welches sich wie ein Gewebe aus Schleimhäuten und Adern um ihn gelegt hatte. Ein Knurren entrang sich seiner Kehle.
Nein! Etwas hat sich geändert!
Rudel! Gefahr!
Laut knurrend sprang er auf und saß sofort in der Hocke, sich hastig umblickend.
Er sah. Und was er sah war… fremd.
Rudel! Gefahr!
Wo war das Rudel? Wo war er?
Seine Stirn zog sich kraus und plötzlich kam wieder Ruhe über ihn.
Rudel! Gefahr!, schrieen Instinkte weiter in ihm, doch sie wurden leiser… und leiser und leiser….
Er fiel wieder zurück in einen ruhigen, bewusstlosen Schlaf.

Merlin seufzte. Immerhin hatte er ihn diesmal nicht angefallen. Seit zwei Monden ging es nun schon so. Er hatte Tjord mit Guddar ziehen lassen… alle seine Schüler schienen ihn zu verlassen…
Es störte ihn nicht. Bei Tjord hatte er von Anfang an gesehen, dass dieser kein Druide werden würde…
Derikon… nun, er würde sicher wieder zu sich kommen. Bald…

| Und wahrlich, selbst nach den Minuten die verstrichen, wachte er nicht auf. Immer noch sah er Merlin fassungslos in das Gesicht.
Dann begann er, sich zu sammeln und sagte: "Merlin, ich muss nachdenken".
Das war alles, nur dieser eine Satz. Doch dieser schien Merlin schon zu genügen. Er wendete sich ab und ging, ohne noch ein Wort zu sagen.

Und Norsal dachte nach. Tage vergingen, Er aß nicht und trank nur, wenn er begann, Schwindel zu spüren.
Er war nun 120 Jahre alt. Er war 25 Jahre weg gewesen… 25 Jahre. Und was hatte er erreicht? Mit seinem Hass, seinem Selbstmitleid, seinem Frust und vor allem… seiner Machtlosigkeit, mit der er so lange nicht fertig geworden war. Tatsächlich war er inzwischen ein recht guter Jäger und Schwertfechter geworden… Ohne es wirklich zu merken.
Er irrte im Wald umher, ohne Ziel. Dann, nach sieben Tagen ohne nennenswerte Nahrung, mit kaum Rast und wirren Gedanken, fasste er einen Entschluss.
Er würde Schwert und Bogen niederlegen, Reinheit und Gleichgewicht zu finden.
Er würde seine Narretei ebenso ablegen wie Machtgier und Metallschild.

So kniete er nieder, an irgendeinem Ort mitten in dem Wald, welcher Resterhain genannt wurde und begann leise zu Beten. Er wusste selbst nicht, was er redete, wusste selbst nicht, wie man um Verzeihung bittet. Und schon gar nicht bei etwas derart Abstraktem wie dem Gleichgewicht, oder der Einheit aller Wesenheiten, welcher er zu dienen gedachte. Doch die Lippen teilten sich und die Stimmbänder spannten sich, beinahe wie von allein.
An diesem Ort und dort, wo er kniete, erzählte er seine Geschichte von Anfang an, ohne das Geringste auszulassen. Erzählte von seinen Gedanken, ohne zu wissen, wem. Erzählte von seinen Gefühlen, ohne Angst, nicht gehört zu werden. Bat er um Vergebung, ohne Anspruch auf Amnestie.
Und als das letzte Wort gesprochen war, erhob sich sein Geist zu den Wipfeln der Bäume, zu den Wolken, wieder herab ins innere der Erde und ließ seinen Körper an Ort und Stelle liegen.
An diesem Tag lernte er Silvanus kennen…
Und so wählte er einen neuen Namen wie es bei Elfen brauch ist. Er legte den alten Namen ab und entschied sich, als Symbol der Vergangenheit und alten Liebe zu Lucien einen Namen in der Handelssprache zu wählen, welcher an sie erinnerte und auch mit ihm etwas zu tun hatte.
"Distelzweig.", sagte er… "Das soll mein neuer Name sein." Dabei lächelte er leise.
"Und gerufen werden will ich Derikon".
Und so war er dann ein erwachsener Elf, mit allem was dazu gehört. Heute hatte er Silvanus erkannt und wusste sofort, dass dieser ihn nun sein Leben lang begleiten würde. Dies war ein sehr wichtiger und beinahe magischer Moment und wurde bei den Elfen der Epiphanie genannt. Nun galt es, seinen neuen Gott zu erfahren, ihm näher zu kommen und ihn zufrieden zu stellen. Wieder lächelte er, denn das wollte er tun. |




Wieder kam Derikon zu sich. Merlin saß neben ihm. Ich erkenne ihn, dachte er.
"Ruhig", bat Merlin sanft. "Drei Jahre als Wolf gehen nicht spurlos an einem vorüber."
Er lächelte leicht, seine Sorge verbergend. Die letzten Male hatte Derikon ihn immer öfter erkannt.

Doch mehr war den letzten Winter nicht geschehen. Und dieses Mal, so hoffte Merlin, würden sie vielleicht einen Schritt weiterkommen, als dieses eine erste Mal.

Wer ist er? Was ist es, das er da sagt? "M…", kam es über seine Lippen.
Irgendetwas fehlte ihm… Etwas stimmte nicht. Doch er konnte nicht erfassen, was es war.
Merlins Gesichtsausdruck wechselte von Freude zu Spannung und ruhiger Erwartung. Irgendwann musste er ja schließlich zu sich kommen.

"M…?"
Verwirrung.
Er hieß Merlin. Und er war sein Freund, Ziehvater und Mentor.
Mentor? Worin?
Ich … Ich werde Druide?
"Merlin?"
"Ja?" Wieder mit der gleichen, sanften Stimme.
"Merlin.", stellte er nun fest. "Das ist gut"
Merlin kicherte albern: "Es scheint so, als scheine die Weisheit und das Sein aus eurem Gebein, Derikon!"
Ja, das ist Merlin.
Derikon? Ist das mein Name? Vermutlich…Ja! Derikon Distelzweig, das ist der von mir gewählte Name.
Ein wenig Trauer keimte in ihm hoch. Lucien… Ihm fiel dabei ein, wieso er den Namen gewählt hatte. Ein leises Lächeln huschte über sein Gesicht, das war vorbei.
Auch sein Zorn den Dunkelelfen gegenüber war Vergangenheit.
Er begann nun ein neues Leben. Die Natur hatte ihm einmal mehr eine neue Möglichkeit gegeben, alles richtig zu machen.
Lächelnd schloss er die Augen wieder.
"Bitte weckt mich, wenn der Winter vorüber ist. Dann wird er auch in meinem Geist vorüber sein."

Am Ende des Winters weckte Merlin Derikon. Als dieser sich gewaschen, gegessen und getrunken hatte, sprach er langsam, leise.
"Merlin", sagte er "ihr müsst mir vieles neu beibringen… Und einiges konnte ich nie."
Ein Lächeln.
Merlin erwiderte dieses und sagte dann frech: "Erst einmal müsst ihr eure Tochter holen gehen… Sie ist wirklich ein beeindruckendes Exemplar."
Derikon legte den Kopf schief… ja, da war etwas gewesen. Der Auftrag von Merlin. Er hatte ihn ein wenig… zu… gründlich ausgeführt.
Er neigte den Kopf. "Doch erst lehrt mich noch die ein oder andere vergessene Sprache, von denen, die ich einst Sprach."
Merlin lächelte: "Sicherlich, Derikon, sicherlich."

Und so begannen sie wieder.


| Als er wieder in seinem Körper erwachte, erinnerte er sich gut an die vergangenen Jahre. Doch sah er sie nun aus einem anderen Blickwinkel. Er war zum objektiven Beobachter geworden. Er beurteilte nichts davon, nahm es einfach als gegeben hin. Er stand auf, um zu jagen, und gegebenenfalls Merlin zu treffen. Dieser traf ihn bald, als Norsal beim Essen war. Als Derikon beim essen war

Sie unterhielten sich lange am Lagerfeuer. Derikon erzählte, was geschehen war.
Als er geendet hatte, nickte Merlin vorerst nur.

Nach einer Weile der Stille lächelte er.
"Wollen wir dann fortfahren?“

Und so begannen sie wieder.



Die nächsten 3 Jahre waren für Derikon hartes Training.

Dann endlich war der Tag der ersten Prüfung. Er sollte sich einem Wolfsrudel anschließen.

Er machte sich an diesem Tag schon früh auf. In der Mitte des Tages fand er eine vielversprechende Spur. Norsal lächelte. Er wusste genau, wie man mit Wölfen umging. Sich dem Rudel für ein - zwei Tage anzuschließen war nicht schwerer, als ein Reh zu schießen.

Am Abend hatte er das Rudel eingeholt. Wieder musste er lächeln. Es war ein recht großes Rudel. Er folgte ihnen eine Weile. Er musste noch nicht ruhen, er hatte noch genug Reserven.
Als das Rudel zu rasten begann, näherte er sich vorsichtig.
Dann stockte er. Hatte er ein leises Kichern gehört? Er runzelte die Stirn.
Unmöglich.
Er näherte sich weiter. Langsam, leicht in die Knie gegangen, die Hände weit von sich gestreckt.
Er merkte, wie sie ihn witterten, sich zu ihm umwandten. Er blieb stehen und wartete auf ihre Reaktion.
Die meisten knurrten, doch das war normal. Er versuchte, sie empathisch zu beruhigen, eine Fähigkeit die er von Guddar gelernt und die letzten Jahre bei Merlin perfektioniert hatte.

Müsste er es für jemanden der diese Fähigkeit nicht beherrscht erklären, er vergliche sie mit dem Überreden eines Mannes zu etwas, wozu er keine Lust hat.

Doch dann merkte er, dass etwas nicht stimmte… er hatte sie gestört, zu sehr gestört.
Sie würden ihn angreifen, wie er mit plötzlich aufkeimender Panik feststellte.

Er hätte sie vermutlich alle töten können… doch das war nicht, was er wollte!
Er machte auf dem Absatz kehrt und rannte so schnell, wie er konnte.



Laufen... weiterlaufen, immer weiter. Es war beinahe dunkel, doch das wenige Licht der Sterne und des halben Mondes reichte Derikon selbst durch das Blätterdach. Er hörte das Tapsen der Wolfspfoten hinter ihm.| Seine Beine schmerzten, er wusste so könnte er nicht mehr lange weiterlaufen. Seine Beine würden einfach aufhören ihren Dienst zu tun. Auch war es müßig vor Wölfen wegzurennen....




2. Teil


Derikon war nun 130 Jahre alt. Er hatte einiges durchgemacht in all den Jahren. Vor vier Jahren war er als Elf praktisch wiedergeboren worden. Von seiner Zeit als Wolf wusste er beinahe nichts mehr. Von der Zeit davor nur wenig. Nur die Lehre, die er daraus hatte ziehen sollen, hatte er behalten.
Können und Ausdauer, die er sich in den Jahren antrainiert hatte, waren nach dem Jahr in Starre und dem Kampf zwischen Wolf und Elf wieder dahingeschwunden. Nur weiser war er geworden. Und böse war er auch nicht mehr im eigentlichen Sinne. Er würde alles tun, um Silvanus zu dienen, seinem neuen Herren. Und das bedeutete unter anderem, das Gleichgewicht immer zu bewahren.
Vor vier Jahren hatte er seine Lehre bei Merlin beinahe von Vorne angefangen. Doch das Wissen und sein Können kamen schnell wieder. In den vier Jahren hatte er zwar nicht einen Bruchteil seiner alten Macht zurückgewonnen, allerdings war diese Macht rein und war in der Lage Gleichgewicht zu schaffen und zerstörte es nicht.

Heute war der Tag der letzten Prüfung.
Er war eigentlich bereits Druide, doch er wollte sich noch nicht ganz zufrieden geben. Er wusste, dass seine Tochter wieder eine Tochter geboren hatte. Er wollte das Rudel suchen und mit dem Teil seiner Vergangenheit abschließen.

Diesmal benötigte er nur drei Tage, bis er sich dem Rudel vollständig anschließen konnte. Seine Tierempathie war nun von Silvanus’ Macht durchzogen und den Tieren somit zuträglicher als sie es zur Zeit seiner, wie er es nannte, Unausgeglichenheit der Fall gewesen war. Auch war er nun in der Lage, zwischen Wolf- und Elfsein sehr differenziert zu unterscheiden.

Nach einer Woche hatte er bereits eine sehr komplexe Beziehung zu ‚seiner Enkelin’ aufgebaut. Magie webte sich zwischen ihnen, wie sie bereits seit Jahrhunderten Tradition bei Druiden und auch mächtigen Druiden der Fall war. Derikon wusste um diese Magie und hatte gehofft, dass sie in diesem Fall von alleine, aus sich heraus, bewirkt werden würde. Normalerweise begannen die Druiden oder mächtigen Waldläufer mit diesem Ritual. So entstanden das „Magische Band“ und der Grundstein zur Freundschaft zwischen dem Wirkenden und dem Tier. Die Freundschaft vertiefte sich dann später von alleine, da das Tier dann magisch mit dem Druiden verbunden war.
Hier entstand zuerst die Freundschaft, sozusagen durch das Muttertier vererbt, und dann das Magische Band.

Nach einem Monat, Merlin hatte das Rudel insgeheim überwacht, trennten Derikon und Nieärwar, wie er sie nannte, sich von dem Rudel. Kein Knurren war zu vernehmen, als sie eines Morgens einfach in eine andere Richtung aufbrachen.
Nieärwar würde nun mit Derikon mächtiger werden. Sie würde agiler, kräftiger und auch, im gewissen Maß zumindest, intelligenter. Doch für Derikon war die Hauptsache, dass er (erstmal zumindest, denn Nieärwar würde durch ihre zugenomme Kraft vermutlich ein wenig länger leben, als gewöhnliche Wölfe, jedoch auch nicht länger als zwei Jahrzehnte) mit der Vergangenheit hatte Frieden schließen können, wie ihm das mit Tel'quessir-Enor nicht sofort gelungen war.

Lächelnd über die bruchstückhafte Vergangenheit (vieles hatten Guddar und Merlin ihm erzählt) ging er gerade mit Nieärwar an seiner Seite durch den Wald…


… als in einer Höhle, deren Geschichte mit Orks und deren Gott Gruumsch zu tun hat, ein Elf von vielleicht 80 erwachte. Völlige Dunkelheit schloss ihn ein. Er wusste nicht woher er kam… geschweige denn wie er hierher gelangt war.
Er verspürte seltsamerweise keine Angst. Er versuchte logisch vorzugehen und sich als erstes an seinen Namen zu erinnern. Doch er fiel ihm nicht ein.
Wie alt war er? Um die 80 Jahre… nur so ein Gefühl.
Plötzlich ertönte eine tiefe, dennoch nicht unangenehm klingende Stimme:
„Hallo, kleiner Elf. Soll ich dir erzählen, wer du bist?“



„Ja, sehr gut!“, rief Guddar, als der nun fünfzehnjährige Tjord seinen Hieb parierte.
Dieser lächelte überheblich und versuchte einen Ausfall, da er meinte, eine Lücke in Guddars Verteidigung geschaffen zu haben, indem er parierte. Guddar grinste nur, da dies ein Irrtum war und schlug Tjords Waffe einfach zur Seite und legte die Klinge auf seine Schulter.
„Ihr werdet stetig besser.“, sagte er freundlich lächelnd.
„Bald werde ich euch schlagen!“, antwortete Tjord und machte einen Schritt zurück, sodass er aus der Reichweite von Guddars Schwert war. Direkt danach griff er wieder an. Merlin saß, eine Pfeife rauchend und lächelnd, ein wenig abseits von den Übungen, welche sie beinahe täglich machten.
Er musste unwillkürlich grinsen. Hier trainierte einer seiner Schüler nun seinen eigenen Schüler. Wobei das in seinem Alter nichts Ungewöhnliches mehr war.
Er machte sich immer noch ein klein wenig Sorgen um Derikon. Zwar machte er sich hervorragend in der letzten Zeit...
Und mittlerweile folgte ihm gar ein Tiergefährte; die letzte Prüfung, die die meisten Druiden sich selbst stellten.

Doch er hatte einen Teil seiner Selbst verloren. Er hatte nicht mit dem Verlust seiner Familie, vor allem von Lucien, leben können. Doch war er im inneren seines Herzen ein Druide. Schon immer gewesen… Als Merlin ihn zum ersten Mal sah, wusste er, dass Derikon später sein Schüler sein würde.
Unter welchen Umständen auch immer.
Doch der Hass gegen die Dunkelelfen, der Verlust, Merlins Lehre und vor allem die Lehren Silvanus’ über die Druiden, und Derikons ‚Ich’ als Druide passten nicht zusammen. Über kurze oder lange Zeit musste ein Teil dieser Mischung zwischen den anderen zerrieben werden.
Und so war von Derikons Vergangenheit nicht viel mehr als Staub übrig geblieben.
An vieles erinnerte er sich schemenhaft, verschwommen. Vieles wusste er noch ganz und gar. Doch an den Überfall auf Tel’Quessir-Enor, als Beispiel, hatte er keine Erinnerung mehr.
Vieles hatten Guddar und Merlin ihm wieder erzählt. Doch noch immer würde es seine Zeit brauchen, bis Derikon wieder eine Vollständige Person sein würde.
Und die selbe wie zuvor würde er nie wieder. Vielleicht war das auch ganz gut so …


„Immer wenn man an euch denkt, Derikon, taucht ihr auf!“ Tjord und Guddar beendeten ihren Trainingskampf und gesellten sich zu Merlin, als dieser Derikon begrüßte, welcher gerade auf die Lichtung getreten war. Derikon nickte allen zu. „Silvanus sei euch wohlgesonnen.“
Gen Guddar fragte er: „Kommt ihr gut voran?“, doch bevor dieser antworten konnte, antwortete Tjord: „ Ja, sehr sogar!“
Guddar grinste nur entschuldigend, da er um Derikons Anschauung zu Kindern wusste, und hoffte er würde nicht sagen, was er dachte.
Doch zu seiner Überraschung grinste Derikon nur und antwortete: „ Zeigt es mir!“
Zur Antwort zog Tjord sein Schwert, worauf Derikon wieder grinste. „Ich gedachte nicht, mich im Schwerte mit euch zu messen… doch wenn ihr es so wollt…“, darauf begann er eine Formel zu murmeln.
Tjord reagierte sofort und wollte Derikon die Breitseite seines Langschwertes vor die Brust schlagen. Doch als dieser gerade ausgeholt hatte, beendete Derikon die kleine Formel, woraufhin ein Funke vor Tjords Gesicht entstand. Dieser ging mit beiden Händen vorm Gesicht rückwärts. Dort stand Nieärwar bereits und kommentierte seinen Fall über sich nur mit einem leisen und unvollständigen Knurren.

Derikon runzelte die Stirn und sprach ein kurzes Wort auf Elfisch aus, worauf Nieärwar verschwand. Das hatte er so nicht geplant.
„Verzeiht, doch Nieärwar gehorcht ihrem eigenen Willen.“, sagte er, ohne sich ein Grinsen ganz verkneifen zu können.
Doch auch Tjord grinste, erhob sich einfach und schob das Schwert wieder in die Scheide.
„Ihr bringt Nieärwar Benehmen bei, und Guddar mir das Fechten“, schlug er vor und reichte Derikon die Hand.
Dieser war ein wenig überrascht von dieser, für seine Begriffe, nicht menschentypischen (zumindest in diesem Alter) Handlung, ergriff die Hand aber und schüttelte sie lächelnd.



Er wandelte nun sicher durch die Höhlen, welche ihm sein neuer Herr geschenkt hatte. Er wusste nun wer er war… nein, wer er werden würde! Sein Herr hatte ihm Macht versprochen, viel Macht. Doch vorerst würde er warten und seinen Herren verstehen lernen müssen. Solange passte der Herr auf ihn auf, das wusste er.
Er hatte auch in einer Anwandlung von Nostalgie und Sentimentalität nach Elfischer Manier einen Namen gewählt. Doch er übersetzte ihn sofort in die Gemeinsprache, da er kein Elf mehr war. Etwas, das er sich immer seltener klar machen musste.
Sein gewählter Name war Nerestul Düsterhöhl. Er mochte diesen Namen. Er erinnerte an seinen neuen Herren und gleichzeitig daran, wie ergeben er ihm war. Und natürlich an seine Bestimmung.
Er grinste, als er den für jeden Fremden hinter einer Illusion aus Höhlenwand verborgenen Gang hinaufging, um seine Gäste zu empfangen. Sie würden ihm sicher gute Dienste leisten…
Er griff die Sense, die sein Herr ihm gegeben hatte fester, als er aus dem Gang kam und der Herr ihm die Kraft gewährte, den Absatz von knapp 30 Metern einfach zu überwinden.
Für seine neuen Diener würde eine Leiter von Nöten sein. Das bedauerte er. Das machte es leichter, ihn zu erreichen. Dafür hätte er aber zu den paar Orks, die er verängstigt hier vorgefunden hatte, auch ein paar Kobolde zur Hilfe… und dann waren da ja noch… na ja, er sollte sich keine Gedanken machen. Der Herr würde auf ihn aufpassen…




Er stand auf den Waagarmen einer Riesigen Waage und versuchte mit den Beinen sie gleich hoch zu halten. Doch die linke Seite wurde immer schwerer. Erschrocken Stellte er fest, dass sie zu schwer für ihn wurde! Er stellte sich allein auf den rechten Arm der Waage. Doch immer noch begann der Linke nach unten zu sinken. Die Waage war einfach zu groß! Die Waagschalen hatten einen Durchmesser von zwanzig m²! Sollte das Gewicht der linken Waagschale weiterhin so zunehmen wäre das Gleichgewicht für immer verloren.
Schnell ging er weiter zur rechten Waagschale um genug Zeit zu haben nach dem Grund zu sehen.
Und er sah ihn. Und was er sah machte ihm Panik. Schnell griff er nach seiner Schleuder und legte einen Stein hinein um ihn nach den Zombies zu werfen. Die Arme der Waage hatten nur knapp einen Fuß breite, aber er störte sich nicht daran. Einen Stein nach dem Anderen warf er aus der Schleuder und ging dabei rückwärts.
Doch es wurden immer mehr! Sie schienen sich von alleine zu vermehren! Dann kam es wie es kommen musste: Der Rechte Waagarm wurde zu schräg, sodass selbst Derikon mit seiner Elfen gegebenen Eleganz nicht mehr darauf zu stehen vermochte. Er Rutschte ab und konnte sich gerade so noch festhalten und sah nun zum ersten Mal auf die rechte, aufsteigende Waagschale. Auf ihr stand eine sehr gemischte Gruppe von Leuten. Um genauer hin zu sehen hatte er keine Zeit mehr. Denn die Waage begann zu kippen. Seine Hoffnungen blieben oben bei der Gruppe, als er hinunter in die Schwärze stürzte…

… um mit einem lauten Schrei mitten im Wald zu erwachen. Nieärwar, die Wache gehalten hatte, leckte ihm das Gesicht.
Er Hyperventilierte und sah mit glasigen Augen auf den mit blättern bedeckten Waldboden.
Ein Traum, dachte er. Abwesend hob er die Hand und wehrte Nieärwars Zunge ab. Diese knurrte nur leise und ging wieder in den Wald.

Das war das zweite Mal gewesen das er diesen Traum hatte. Und er war um einiges Realer gewesen als beim ersten Mal. Er begann nun sich ernsthafte Sorgen zu machen. Er würde morgen Merlin fragen. Er setzte sich wieder aufrecht hin und legte den Holzschild über seine Knie… und träumte denselben Traum noch reeller als zuvor…



Der Gnom Rundar Raulnor und sein Meister Renn Tremaniol, ebenfalls Gnom schritten durch das Stadttor Dolchfalls, der dem Resterhain am nächsten gelegenen Stadt. Renn grinste jeden der ihnen Entgegenkam freundlich und amüsiert an und sagte zu manchen: „Grüße, Freund. Kommt doch Heute Abend in den ‚Rachen des Roten Drachen’! Dort wird frohe Stimmung Herrschen, getanzt, gesungen und gelacht werden!“
Die meisten staunten nur über die Ausstrahlung des Gnoms. Rundar Raulnor war schon von der Erscheinung, seinen Bewegungen und einfach seiner Charismatischen Art sehr Beeindruckend, nicht zu vergessen das er einfach gut aussah, doch in Begleitung Renn Tremaniol erschein er eher wie ein unscheinbares Mauerblümchen.
Doch das schien ihn nicht weiter zu stören. Er lächelte ebenso freundlich und tanzte einfach hinter Renn her und machte kleine Tricks.
Beide waren in Bunte Gewänder gekleidet und trugen mehrere Musikinstrumente bei sich. Spielen konnte Rundar für sich nur eines, die Harfe, allerdings hatte sie das Gewicht so verteilt das sie sich beide noch gut bewegen konnten.
Renn war vom Hochwald bis zur Zenthilfeste wohl bekannt. Er war ein Barde und unterhielt überall wo er war die Leute.
Der Gnom hinter ihm war allerdings unbekannt… vermutlich ein Schüler von ihm, munkelte man bereits als Renn und Rundar gerade eben das Stadttor passiert hatten.

Sie kamen dem Gasthaus jetzt näher, und noch immer kamen sie Menschen entgegen die sich erstaunt nach ihnen umdrehten. Renn sang jetzt über heute Abend und spielte auf der Laute dazu, während Rundar dazu um ihn herum tanzte und mit seinem Gewand wirbelte.

Als sie die Taverne ‚den Rachen des Roten Drachen’ durch einen Eingang die wie ein geöffnetes Maul geformt war, betraten wurden sie in dem mit Rot getönten Öllampen mit einem Jubel empfangen, in welchem sie sich Badeten, und lachend direkt das erste Mal zum Tanz aufspielten.



„Mh…“ machte Merlin.
„Kompliziert… „
Derikon hob die Augenbrauen und schaute Merlin Erwartungsvoll ins Gesicht. „Merlin?“
„Nicht einfach…
mh…“
Derikon Seufzte. Er war direkt als er zum dritten Mal aus dem Traum aufgewacht war und mittlerweile sogar die Untoten auf der einen Waagschale sehen konnte… wie es mehr wurden, aus dem nichts aufzutauchen schienen… Wieder überkam ihn ein Schauer bei dem Gedanken daran.
Doch das ging jetzt schon eine ganze Weile so… resigniert und Müde setzte er sich an den Nächsten Baum und betrachtete Merlin… übte sich in Geduld…


Tjord rannte durch den Wald, den Bogen noch in der Hand. Weshalb durfte er nicht mit? Er hatte immer mit gedurft!
Verboten hatte er es ihm! HA! Das konnte nicht der Grund sein… Guddar hatte etwas vor. Er würde es ihm nicht einfach so verbieten.
Plötzlich kam ihm eine Idee. Sie überkam ihn so Plötzlich das er stehen blieb. Er würde Merlin fragen… falls ich aus dem ’was ’rausbekomme, dachte er Stirnrunzelnd, befestigte ein loses Band anstelle der Sehne am Bogen, hängte ihn über, und lief in die Andere Richtung los.


Plötzlich hob Merlin den Kopf und sah Derikon durchdringend an. Derikon bekam Hoffnung.
Doch stattdessen sagte Merlin: „Ihr müsst gehen. Schlaft nicht und kommt am Abend noch einmal zu mir!“
Derikon ließ den Kopf hängen und tat was Merlin sagte…

… und war gerade rechtzeitig weg um nicht mehr mitzubekommen, dass Tjord ankam und Merlin freundlich grüßte.

„Mh... das ist wahrlich komisch, Tjord.“ sagte Merlin, nachdem er gehört hatte, was Tjord über Guddars plötzlichen Weggang erzählte.
Natürlich wusste er davon. Auch den Grund kannte er sehr wohl, und innerlich musste er grinsen.
Denn auch von Derikons Traum wusste er. Und um den Grund.
„Ich kann es euch nicht sagen, tut mir leid. Vielleicht hat er etwas vor, was er für zu gefährlich hält, um euch mitzunehmen? Das wäre etwas, das er euch natürlich nicht ins Gesicht sagen würde...“
„Wieso nicht?“ unterbrach Tjord Merlin langsam. „Er kann mir doch alles sagen.“
Ups, dachte Merlin, das war ein Fettnäpfchen.
„Ähh... weil...“ er kicherte, „nun... manchmal, so scheint es, als scheinet ihr nicht mit Akzeptanz zu strahlen... zu scheinen, sozusagen. Also nicht... also nicht scheinen. Ihr scheint nicht zu scheinen.“ Als er sich fertig verbessert hatte, nickte er zu der Aussage, als würde sie ihm so gefallen.
Kurz dachte Tjord nach... dann winkte er ab und verabschiedete sich.

Merlin lächelte, als Tjord im Wald verschwand.

Auch er hatte einen Traum gehabt.

Er sah einen verwirrten Elfen in einer ihm recht bekannt Höhle aufwachen. Er wusste, dass bis vor kurzem eine Bande von Orks dort gewohnt hatte... es waren nicht viele gewesen, also hatte er sie gewähren lassen.
Doch als nächstes sah er eben diese Orks, bis auf einen, der sich irgendwie komisch gebärdete, als wehre er sich dagegen, in die Knie zu gehen, auf dem Boden vor diesem Elfen zu knien. Jetzt war er in eine schwarze Kutte gewandet und hielt eine Sense in der Hand. Er schmunzelte verzückt und amüsiert über das Verhalten des Orks.
„Dient mir lebend, und ihr werdet belohnt werden!“ sagte er, während er auf den Ork, der noch stand, zuging. „Oder ihr werdet es im Tod tun!“ ,sagte er dann gepresst und lauter, als er diesem Ork die Kniekehle mit einem langen Schnitt der Schneide seiner Sense, langsam durchtrennte, worauf dieser aufschreiend auch zu Boden ging. Allerdings fiel dieser vornüber auf den kalten Höhlenboden.
Die anderen Orks wimmerten leise, zogen sich noch tiefer zusammen und nickten eifrig.
Der eben gedemütigte war ihr alter Anführer gewesen.
„Sehr gut!“ Der in schwarz gekleidete Elf nickte zufrieden.

Daraufhin wechselte die Szene.
Derikon lief an der Höhle vorbei und erschauerte. Er würde hineingehen... Merlin konnte es fühlen. Ebenso sicher war, dass er, sollte er alleine gehen, nicht wiederkehren würde.
Dann sah er Tjord. Mit ihm geschah das gleiche.

Dann sah er Derikon sich im Schlaf winden und schwitzen. Ungewöhnlich für einen Elfen.
Als nächstes sah er Derikons Traum.

Wieder wechselte die Szene: Er sah Derikons Traum aus der Sicht von denen, die auf der Waagschale standen...

Als er erwachte, wusste er, dass dies kein normaler Traum gewesen war, sondern eine Eingebung Silvanus’.
Es war als hätte dieser dazugesagt was Merlin zu tun hatte: Er musste Derikon und Tjord mit einer Gruppe Abenteurer zusammenbringen.
Er grinste. Und sobald er wusste, wo die auf der Waagschale waren, würde er sie holen....


Nerestul ging in seinen privaten Gemächern auf und ab. Sein neuer Meister gewährte ihm viel Macht... und das sehr schnell.
Doch er wusste nicht, warum. Im Allgemeinen war er nicht für seine Barmherzigkeit bekannt.
Mittlerweile hatte er sich auch offenbart. Sein Name war Bane. Er war ein Gott. Ein sehr mächtiger Gott.
Nachdem er ihm erklärt hatte, dass Nerestul sein Diener und durch ihn einst sehr mächtig gewesen war, hatte er ihm erzählt wer er war, und was er zu tun hatte.
Doch noch immer wusste Nerestul nicht, wieso Bane ausgerechnet ihn erwählt hatte. Er war nervös wie dankbar. Er hatte Angst.
Doch er liebte Bane und er wusste, dass diese Liebe schon länger währte als seine Erinnerung.
So wie Bane ihm die Macht gegeben hatte, würde er sie ihm auch wieder wegnehmen...
Wie es schien, hatte er bereits einmal versagt. Seine dünnen Hände ballten sich zu Fäusten. Ihm würde kein weiterer Fehler unterlaufen... Er würde sich sofort an die Arbeit machen und die richtigen Rituale und Inschriften für Wände und bewegbare Steine fertigen. Er brauchte Banes Schutz nun mehr denn je!

Langsam, vorsichtig schlich er durch den Wald... Der Wald ist gefährlich, hatte Kroog gesagt... riesige Bestien, Wölfe... Bäume die sich bewegen...
Selbst er hatte von Merlin gehört... der über den Resterhain wacht.
Und dies hier war der Resterhain.
Und... ein kleiner Aufschrei entfuhr ihm, als in seiner Nähe ein Ast knackte.
Ein ähnlicher Aufschrei folgte dem seinen. Dann war Stille.
Was ist das für eine Illusion? Fragte er sich, innerlich zitternd.
Vorsichtig... sehr langsam machte er einen Schritt in die Richtung des Geräusches...
Wieder hallten zwei Schreie durch den Wald.

Und hier begriffen selbst die beiden Koboldspäher, dass sie sich selbst gefunden hatten...

Merlin kicherte leise. Auch wenn er die Kobolde durch den Wald zu der Höhle ziehen ließ, wollte er sie zumindest ein wenig an der Nase herumführen.
Kobolde waren im eigentlichen Sinne nicht dumm... Theoretisch waren sie sogar recht gewitzt. Doch ihr Terrain war eher eine Höhle, wo sie vorbereitet waren und Fallen stellen konnten... und selbst so wären sie Merlin hoffnungslos unterlegen gewesen. Und hier in Merlins Gebiet war das ohnehin kein Thema.
Doch diese Kobolde wurden noch benötigt.

Wieder kicherte Merlin...


Am selben Tag noch, das wusste er, musste er mit Tjord reden, welcher, seit Guddar fort war, alleine im Wald für sich sorgte. Er hatte alle aus seinem Traum gefunden, und bereits Briefe geschrieben, welche er ihnen bald senden würde. Wie es der Zufall wollte waren sie gerade alle in Dolchfall...
Zufall, dachte Merlin schmunzelnd... von Wegen
Tjord musste rechtzeitig dort sein, um sie zum Resterhain zu bringen.

Und wie es der Zufall will, dachte er nun breit grinsend, Jagd er gerade.

Als Tjord gerade den Bogen spannte und auf ein Reh zielte stubste Merlin ihn an und räusperte sich.
Tjord, er hatte Merlin nicht kommen hören, zuckte zusammen und ließ den Pfeil durch das Blätterdach der weit ausseinanderstehenden Laubbäume in den Himmel sausen.
Merlin kicherte Leise.
"Verzeiht, das wollte ich nicht"
"Ihr schuldet mir einen Pfeil" antwortete Tjord trocken.
Merlin konzentriertesich kurz und Kicherte dann. "Hättet ihr nicht wichtigeres zu tun, würde ich sagen ihr würdet ihn selbst wieder finden."
Tjord hob die Brauen und sah Merlin verstört an und sagte ein wenig verärgert. "Ihr redet schon wieder in Rätseln, Merlin"
"Ja ja, das störte euch immer, ich weiß..." Er grinste Tjord belustigt an. "Ich wollte euch sagen, dass ich euch den Pfeil geben werde"
"Und so ihr wollt esst heute Abend mit mir, als mageren Ersatz für euer Reh." Darauf drehte er sich um und ging.
Tjord sah ihm kurz nach, und tat dann einen Blick in den Himmel... es war beinahe Abend.
So folge er ihm...



Seit zwei Tagen war Hagen nun von seiner Drukar aus unterwegs. Man hatte ihm nahegelegt abzureisen, da er irgendwie anders sei als der Rest seiner Brüder.
"Zwerge schwimmen eben nicht." Murmelte er schlecht gelaunt die Worte des Obersten Braumeisters. Jetzt fing es auch noch an zu regnen... schön, auch in Ordnung. Er würde Dolchfall ohnehin bald erreichen.
Wasser war ja für ihn nicht so schlimm, sagte er sich.
Grummelnd zog er den Umhang enger um sich und passierte die Stadtmauern um sich in die nächste Taverne zu setzen und sich zu Betrinken.

Das bier schmeckte nach Wasser... er versog das Gesicht zu einer Grimasse. Nicht zu vergleichen mit dem Bier zuhause. Der Barde kannte keine Zwergenlieder, wenn er auch ganz passable Geschichten erzählte. Welcher Zwerg spielte schon Harfe?
Nunja...er würde sich auf die Welt ausserhalb der Drukar einlassen müssen, falls er sich hier einen Namen machen wollte. Er bestellte noch drei Krüge Bier und versuchte das was der Barde darbot zu genießen.

Gnome mochte er eigentlich... er versuchte sich den Namen zu merken: Rundar Raulnor...


Lächelnd bezahlte Danaida das Zimmer für die Nacht im Vorraus und bestellte noch eine Warme Mahlzeit, um dann der Geschichte des Barden zu Lauschen.
Sie genemigte sich einen unaufälligen Blick durch den Raum. Sehr gut, alle lauschten gebannt dem Barden. Kein wunder, dachte sie mit einem Schmunzeln, er war wirklich Attraktiv, auch wenn er ein Gnom war.
Abgesehen davon war die Geschichte wirklich interessant.
Die Halb - Elfin war guter Laune, denn sie würde die nächsten Tage weder Hungern noch frieren müssen. Als sie ihr Teller leer war, brachte sie ihn selbst zurück. Dabei fiel ihr ein schlecht gelaunt aussehender Zwerg auf, welcher in Rasender Geschwindigkeit Bier in sich hineingoss. Ja... das würde ein lohnender Abend sein.

Auf dem weg von der Theke zurück sah sich einmal kurz um und nahm, als sie sich setze, einem der Gäste den Prall gefüllten Beutel vom Gürtel.
Oh ja, sie war in guter Stimmung.




Sie stand auf einer kupfernen Schale, die ungefähr einen Durchmesser von 20m hatte. Sie war an 4 Seiten befestigt, und schien zu schweben. Sie war nicht allein: Sie sah einen gutaussehenden Gnom, der eine Harfe bei sich trug, eine ziemlich hübsche Menschenfrau, einen Zwerg, der wie ein Krieger anmutete und einen jungen Jäger. Sie sahen sich alle genau so verwirrt um, wie sie sich fühlte.
Als sie sich ein wenig umsah, sah sie, dass sie auf einer riesigen Waagschale standen. Auf der anderen lagen Tote.
Einige davon begannen, sich zu erheben !!
Und in der Mitte zwischen den beiden Waagschalen sah sie einen Elfen, der komplett in Felle gehüllt war.
Er hatte einen Fuß auf jeder der Seiten des Arms der Waage und versuchte gleichzeitig die Waage zu halten und mit seiner Schleuder auf die Toten zu schießen. Jedoch wuchs die Zahl der Toten immer weiter, und er bekam Schwierigkeiten die Waagschalen im Gleichgewicht zu halten.
Er versuchte sich in die Richtung deiner Waagschale zu bewegen, rutschte jedoch auf dem runden Arm der Waage aus, und konnte sich nur noch mit Mühe abfangen. Flehend sah er zu der Waagschale auf der die Ungleiche Gruppe sich befand.
Dann stürzte er.
Nicht mehr gehalten, geriet die Waage vollends aus dem Gleichgewicht und brach.
Alles geriet ins wanken und bebte und die Wagge begann, umzufallen.

Als ihr ins Bewusstsein kam, wie hoch die Waage vermutlich war...
...erwachte sie.





Auf dem Sims des offenen Fensters saß eine Taube mit einem Brief an der Klaue. Sie war sicher es geschlossen zu haben.
Zögernd erhob sie sich aus ihrem Bett und nahm den Brief in die Hand.

Leicht erschrack sie, als die Taube direkt nach Lösen des Briefes aus dem Fenster verschwand.

Langsam begann sie zu lesen...





Recht guten Morgen wünsche ich, recht werte Dame!

Mein Name ist Merlin, ich bin Druide des Resterhains.
Was Ihr so eben träumtet, ist die Vision, die ich gestern hatte. Sie handelt von meinem Schüler Derikon, welcher in zwei Tagen eine ihm eingegebene Aufgabe beginnen wird. Nun sieht es in eurem Traum (meiner Vision) so aus, als wäre er, sie alleine zu bewältigen nicht in der Lage. So möchte ich Euch nun bitten, Euch hierher in den Resterhain zu begeben, um ihm zu helfen, da es so aussieht, als sei es so gedacht, dass Ihr ihm helft. Ich wäre bereit, Euch eine Belohnung zu bezahlen, welche 20 Gold sein wird.
Ich bin mir sicher das Ihr während der Bewältigung der Aufgabe noch ausreichend zusätzliche, wertvolle Güter finden werdet. Wie es scheint, scheint diese Aufgabe auch ziemlich und scheinbar wichtig zu sein, daher bin ich der Meinung das Ihr möglichst bald aufbrechen solltet. Natürlich kann ich nicht auf Euer Kommen bestehen.

In der Hoffnung, dass einer meiner beiden Schützlinge bald von euch hört (ich bin leider verhindert, und kann nicht persönlich helfen),

Merlin






Noch ein Wenig verwirrt zog sie sich etwas an, um sich etwas Wasser zum Waschen zu holen.
Sie Verließ ihr kleines Zimmer, welches nur ein Kleines Fenster, ein hartes Bett, einen kleinen Tisch und einen Kleinen Schrank enthielt durch die Massive Holztür, welche sie über Nacht abgeschlossen hatte.
Als sie über den knarrenden Boden im Flur lief, fragte sie sich, ob sie gehen sollte. Das angebot war verlockend, sicher.
20 Goldstücke... sie pfiff leise durch die Zähne. Das war nicht wenig.
Vor allem konnte sie ein wenig Abwechslung gut gebrauchen...


Hagen saß an einem Tisch in derselben Taverne und hatte schlechte Laune.
"Betrunken machen tut es nur halb soviel, aber der Tag danach ist vier Mal so schlimm" Grummelte er leise vor sich hin und rölpste leise.
Dann war da noch dieser verwirrende Traum gewesen... dazu der Brief, der bewies das es kein Traum gewesen war... und dass obwohl er ja eindeutig geträumt hatte. Schließlich war er nicht gefallen...
Das konnte nur eines heißen: Magie...

Dann kam eine Halb - Elfin die Treppe herunter. Kurz dachte Hagen, das Gesicht müsste ihm etwas sagen... dann wischte er den Gedanken beiseite, um sich wieder auf den kater konzentrieren zu können. Er kannte keine Halbelfen.
Doch dann - er schrack zusammen - kam sie direkt auf ihn zu, lächelte freundlich und fragte: "Ihr habt nicht zufällig komisch geträumt diese Nacht?"
"Wieso, habt ihr 'was damit zu tun?", antwortete er unfreundlich.
"Ne, ich stand nur auch auf der Waagschale, wie euch aufgefallen sein mag". Mit ein bisschen von seinem Gold in meiner Tasche ist er eigentlich ganz erträglich, dachte sie so bei sich.
"So so..." Das hörte sich doch eigentlich garnicht schlecht an... von diesem Merlin hatte er gehört. Er konnte ihm helfen, seinen Ruf auszubessern!
Nachdem er sich in einer Pause ausgiebig über den Bart gestrichen hatte, sagte er: " Und jetzt wollt ihr da hin, und sucht einen Beschützer, was Mädchen?!"
"Ähm... ja, genau!" Lächelte Danaida freundlich.
"Na dann... auf geht's!" Sagte er laut und wollte sich erheben, als die kleine, zierliche Gestalt Rundar Raulnors neben ihm auftauchte." Wohin solls den gehen, edler Zwerg?
Edle Dame" sagte er, und deutete lächelnd eine Verbeugung in ihre Richtung an.
"Verzeiht, ich wollte euch nicht belauschen, doch ich kam nicht umhin die Stimme des Zwerges zu übergehen... ihr habt seltsam geträumt letzte Nacht?
Da erinnerte sich Danaida wer Gnom in ihrem Traum gewesen war...: Rundar Raulnor.

"Ich schlage vor, dass wir uns, bevor wir aufbrechen, auf dem Markt mit Ausrüstung eindecken", sagte Rundar, als sie sich darauf geeinigt hatten, zusammen gen Resterhain zu ziehen.
Die anderen Beiden Stimmten zu. So gingen sie auf den Markt in Dolchfall.
Als sie gerade um Nahrung feilschten, sah Danaida ein hünsches Mädchen, welches mit einem Stück Pergament über den Markt ging auf dem Stand: Resterhain.
Danaida hob nur leicht eine Braue und zeigte stumm in die Richtung, wo das Mädchen herging.
Die Idee war einfach zu ausgefallen, als das ihr irgendetwas dazu eingefallen wäre. Runda und Hagen blickten in die Richtung, sahen aber nichts, als die Köpfe der vorbeigehenden Menschen (in der Tat waren es überwiegend Menschen).
Danaida kicherte und machte eine Geste, ihnen zu folgen.
Bald darauf sahen sie es, und Rundar fing schallend an zu lachen. Sich noch Tränen aus den Augenwinkeln wischend, ging er auf das Mädchen zu: "Zum gruße, hünsche Maid! Wir sind [i]zufällig[/i] auf dem Weg zum Resterhain... ich frage mich, ob ihr uns wohl begleiten wollt?"
"Aber gerne, ich bin Sabba, die Hexe" Antwortete sie lächelnd.


Sie suchten am nächsten Morgen nach einem möglichst kompfortablen Weg zum Resterhain. Eine der Wachen erzählte Rundar, dass eine Karavane
vor kurzem in diese Richtung aufgebrochen sei.
Im Eiltempo stürzten sie aus der Stadt...


... und übersahen Tjord, welcher den Auftrag hatte, sie abzuholen und einfach nur im Schneidersitz im halbhohen Gras saß, welches ihm (im sitzen) bis zu den Knien ging.
"Städter" Murmelte er, nachdem er ihnen eine Weile verdutzt hinterher gesehen hatte. "Ich denke, ich kann ihnen einen kleinen Vorsprung geben", und ließ sich zurück ins Gras gleiten, um den schönen Morgen zu genießen.

Er folgte ihnen mit einigem Abstand und machte sich einen Scherz daraus, ihnen ab und an etwas zu essen Hinzulegen, ohne das sie es merkten. Sie reisten praktisch nur hinter der Karavane her, lagerten sogar ein wenig abseits von ihr.

Er versteckte sich nicht absichtlich. Er drängte sich einfach nicht auf und lagerte irgendwo hinter ihnen abseits vom Weg.
Am dritten Tag wurde er ungeduldig, denn diese Städter würden in diesem Tempo noch mindestens 10 Tage zum Resterhain brauchen. Er seufzte. Heute würde er etwas Leckeres jagen und so nah lagern, dass sie ihn einfach sehen mussten...
Am Abend hatte er Rebhühner gefangen und war gerade dabei, sie zuzubereiten, als er am Rande des Feuerkreises eine Bewegung wahrnahm. Dann hörte er auch schon ein Geräusch.
"Geht nicht", sagte er ohne sich umzudrehen. Er lächelte leise, als er hörte, wie die Füsse der Person sich zusammenzogen, ein Zeichen dafür, dass sich der Verursacher des Geräusches versteifte.
Daraufhin trat Danaida in den Schein des Feuers. "Was wollt Ihr?"
"Ich? Ihr seid doch an meinem Feuer, soweit ich das erkennen kann." Tjord drehte sich um und grinste breit.
"Äh... ja, stimmt. Aber Ihr folgt uns, nicht wir Euch." Tjord hob die Brauen: "Ihr habt das bemerkt?"
Worauf Danaida ebenfalls eine Braue hob. "Ihr mögt mich zwar bemerkt haben, aber blind bin ich nicht"
"Oh... das muss ich übersehen haben, als Ihr hinter dem Tor von Dolchfall an mir vorbeigerannt seid." Er lächelte freundlich. "Doch nun holt schon die Anderen, das Essen ist fast fertig", er deutete auf das Feuer.
Danaida lächelte ebenfalls und nickte.

Nach der gegenseitigen Vorstellung hatte Sabba die Rebhühner noch mit einem Zauber verfeinert, und eine halbe Stunde später saßen alle satt und zufrieden um das Feuer.
Hier in Stadtnähe fühlten sie sich relativ sicher.
Danach erklärte Tjord den Anderen, dass er sie zum Resterhain führen sollte, wo Derikon auf sie warten würde.
"Derikon?" fragte Rundar mit gerunzelter Stirn. "Der andere 'Schützling' Merlins?"
Tjord nickte. "So in der Art".
Tjord meinte, jetzt wo sie der Karawane nicht mehr folgten, sollten sie Wachen aufstellen, da sie hier ausserhalb der Stadt wären.
Sabba schmunzelte nur und nickte. Dieses Bürschchen hielt sie alle für verwöhnte Adelige. Anscheinend wusste er nicht viel über die Stadt.
Der Rest der Reise verlief ruhig. Als der Wald in Sicht kam, lächelte Tjord. "Zuhause", flüsterte er leise. Denn das war es doch, nicht wahr? Wie hatte Merlin seine Worte gemeint? Er solle so bald nicht wieder kommen... die Welt sehen. Er hatte keinen Bedarf, die Welt zu sehen. Der Resterhain reichte ihm vollends! Er seufzte leise. Wenn sein 'Vater' ihn schon rauswarf, hätte er wenigstens etwas deutlicher sein können!
Seine Gedanken schweiften zu den letzten Jahren im Wald. Derikon hatte er in all den Jahren kaum gesehen und natürlich nur wirres Zeug als Antwort auf seine Fragen bekommen. Eine Weile nicht mit Merlin zu sprechen, konnte gar nicht schaden... aber gehen wollte er eigentlich nicht. Aber was sollte er tun? Merlin warf ihn also heraus.
Die anderen hatten sich schon eine ganze Weile unterhalten, doch er hatte nicht zugehört.
"...früher einmal Spinnenwald hieß", sagte Rundar gerade, "und ihn in Resterhain umbenannt, als er ihn von allen bösen Kreaturen gesäubert hatte".
Als sie den Wald betraten, betrachtete Sabba Tjord kurz wehmütig. Wie sicher er sich hier bewegte. Er schien hier zu Hause zu sein... so etwas hatte sie nicht gehabt.
Als sich vor knapp vier Sommern, da war sie gerade zwölf gewesen, ihre Affinität zur Magie zeigte, fingen die Leute an, sie zu meiden. Sogar ihre Eltern hatten sie mit immer mehr Misstrauen betrachtet. Wie sie plötzlich anfing, hell zu leuchten, und ihre Haare alle aufrecht standen, wie Kinder, die sie hänselten, plötzlich vor Schmerz aufschrieen, weil ihre Wut auf sie so groß wurde, dass Gegenstände auf sie zuflogen, oder ihre Haare anfingen zu brennen. Bei dem Gedanken schmunzelte sie. Die anderen Kinder mieden sie sehr bald. Sie durfte nicht mehr mit den anderen arbeiten, weil der ansässige Tyr-Priester Angst hatte, sie könne die anderen von der Arbeit abhalten, oder etwas zerstören.
Sie hatte sehr bald bemerkt, dass sie dort nicht mehr willkommen war. Und bevor die all zu netten und guten Menschen in ihrer Ignoranz entscheiden konnten, was zu tun sei, rannte sie davon. Sie schüttelte diese Gedanken ab. Sie wusste, dass Blut von Drachen in ihren Venen floss, daher wohl auch ihre Begabung. Denn als sie ihr Dorf hinter sich gelassen hatte, hatte sie sehr bald den eigentlichen Grund für die Abneigung gegen sie entdeckt: Neid. Neid ihrer Eltern, dass sich das Blut bei ihnen nicht gezeigt hatte. Neid der anderen, dass sie Macht über sie haben würde. Angst des Tyr-Priesters, dass sie ihm seine Stellung streitig machen würde... ihm seine so sehr gewünschte Macht wegnahm. Sie grinste. Nur weil sie weg war, sollte er sich nicht weniger Sorgen machen. Doch nicht seine Stellung wollte sie.
Vermutlich würde er früher als gedacht seinem Gott in die Augen sehen müssen, und dann würde er sehen, wie gerecht er gewesen war, oder wie gerecht Tyr wirklich war.

"Wir werden heute nicht mehr rasten" sagte Tjord. "Aber es wird schon bald dunkel" warf Hagen mit leicht erhöhter Stimme ein. "Nicht, dass ich mich hier im Dunkeln fürchten würde... ich bin im Dunkeln groß geworden. Ich weiß nur nicht, was hier nachts so alles rumkraucht, und vor wie vielen ich euch schützen kann!"
Tjord lachte. "Keine Sorge, Zwerg, wir sind bald da!"
Wie als Antwort darauf erklang vor ihnen ein leises Knurren. Hagen holte laut Luft und griff nach seiner Axt.
Doch Tjord hob die Hand, drehte sich leicht gebückt zu den Anderen herum und bedeutete ihnen, stehen zu bleiben. " Was hat der Verrückte vor?!", fragte Hagen lauthals.
Da erscholl hinter dem Knurren ein Ruf: "Nieärwar!"
Aus dem Unterholz kam ein Wolf und tappte gemütlich von der Gruppe weg.

Derikon saß im Schneidersitz unter den grob gegerbten Fellen von Merlins einstigem Lager, und dachte über die Aufgabe nach, die vor ihm stand. Merlin hatte gesagt, dass die Gruppe im Gleichgewicht war. Er würde allerdings hin und wieder nachhelfen müssen. Er runzelte die Stirn. In letzter Zeit hatte er gemerkt, wie groß seine Wut auf die Untoten auf der anderen Waagschale war. Allerdings nicht nur, weil sie absolut unnatürlich waren. Gerade als er anfing, eine Art Rhythmus in sein Leben hier im Wald zu bekommen, was bei Elfen auch im Wald ein wenig dauern konnte, zwangen sie ihn, aus diesem Rythmus wieder zu verlassen und sich auf unsicheren Boden zu begeben.


Besonders bei einem, der so viel durchgemacht hatte, wie er.
Das war nicht gut. Er sollte ausgeglichener sein. Merlin um Rat zu fragen, war keine Zeit gewesen. Er musste wieder an seinen Zorn über die Dunkelelfen denken.
Da knurrte Nieärwar plötzlich, wie er es ihr aufgetragen hatte, wenn sich jemand näherte.
Da hörte er auch schon einen Zwerg rumschreien. Er rief lächelnd nach Nieäwar. Er hatte nicht beabsichtigt, seine Besucher zu erschrecken.
Da kamen sie auch schon, geführt von Tjord, durch das Unterholz. Sie nickten sich nur kurz zu, dann wandte Tjord sich Nieärwar zu und versuchte, ihr etwas näher zu kommen. Es interessiert ihn, wie die Bezihung zwischen ihr und Derikon war. Er vermutete zwar, dass sie seine Tiergefähtin war, war sich allerdings nicht ganz sicher.
"Darf ich vorstellen? Nieärwar, meine treueste Gefährtin." Sagte Derikon
"Verzeiht, wenn sie Euch erschreckt hat".


Mit diesen Worten erhob er sich und deutete dann eine leichte Verbeugung an. "Mein Name ist Derikon Distelzweig, Diener Silvanus' und damit des natürlichen Gleichgewichtes. Darf ich Euch Speis und Trank in meinem Heim anbieten?"
Hagen runzelte die Stirn. " Wir stehen mitten im Wald..."
Derikon schmunzelte und nickte dann einfach. Vielleicht sollte er den vorlauten Zwerg einfach ein wenig zappeln lassen? Er entschied sich dagegen: "Mein Heim".
"So wie meines" fügte Tjord hinzu, doch er fand, es hörte sich mehr danach an, als versuche er, sich selbst zu überzeugen.
Derikon jedoch nickte dazu.
"Und Ihr müsst die Hilfe sein, die Meister Merlin angekündigt hat".
Die anderen nickten und stellten sich mitsamt ihrer Profession vor:
Rundar Raulnor, der Barde,
Sabba, die Hexe (was auch ihr tatsächlicher Name war)
Danaida... die sich mit Schlössern, Fallen und schwachen Stellen in Rüstungen auskennt,
Hagen, der Zwerg (er sagte das so, als wäre mehr Erklärung einfach nicht nötig).

Derikon nickte wieder. "Sehr gut, doch nun setzt Euch". Er deute auf einige Felle, die als Sitzkissen dienen sollten. Er selbst setzte sich einfach wieder auf den Boden. Felle zur Sitzbequemlichkeit empfand er als unnötig, doch Merlin hatte wohl nicht unhöflich erscheinen wollen.
Er war sehr vorsorgend gewesen. Er hatte elfischen Wein und sogar ein Fass Zwergenbier besorgt.


Copyright(c) Simon Daniel Millat, Hessen, November 2005



Mehr folgt...